Finito herumhängen … (by Vreni)

Die Zeiten des Herumhängens sind vorbei. Und dabei haben sie mir so gut gefallen. Aber nichts währt ewig.

Ankunft in Auckland, Neuseeland. Zuerst verabschieden wir viele Mitpassagiere, die uns heute verlassen. Eine ganz kurze Zeit unseres Lebens waren sie unsere Weggefährten und ziehen nun weiter, wohin auch immer. Und ich muss sagen, wir waren eine sehr, sehr gute Zweckgemeinschaft. Nicht ein einziger Kotzbrocken war dabei. Das ist uns noch nie passiert. Normalerweise hast du auf jeder Kreuzfahrt so ungefähr fünf unausstehliche Menschen dabei, die alles durcheinander bringen und die du ohne jegliches Bedauern über Bord schmeissen könntest. Des Nachts merkt das nämlich keiner. Auf einer unserer früheren Segelkreuzfahrten hatten wir einmal ein absolut gigantisches Oberarschloch dabei, der wusste alles besser. Er konnte einfach besser segeln als unser Kapitän und seine Crew. Er konnte auch viel besser kochen als der Küchenchef und seine Crew und so weiter und so fort. Er konnte einfach alles, und das viel, viel besser. Übrigens war dieser unglaublich unbeliebte Mann an Bord ein Mitglied der Band Crosby Stills Nash and Young, deren Musik ich eigentlich sehr liebe. Aber dieser Mensch ging mir sowas auf die Nerven. Ich beklagte mich bitterlich. Der Kreuzfahrdirektor bat mich dann inständig: Vreni, bitte, bitte mach das nicht. Hier geht keiner über Bord. Wir haben dann so viele Papiere auszufüllen. Und das Prozedere bei Verlust eines Passagiers ist unglaublich. Denn, wir stechen mit so und so vielen Passagieren in See und müssen auch genauso viele wieder zurückbringen. Und ich werde mich für deine Kooperation erkenntlich zeigen. Das tat er dann wirklich. Statt des Musikers, der immerhin die Eigner-Kabine belegte, und die sind für das Kapitäns-Dinner immer eingeladen, sassen Rémy und Vreni links und rechts vom Kapitän. Und kein Musiker. Es war toll und ein wunderbarer Abend. Auch der Kapitän war mit dieser Lösung sehr zufrieden.

Aber ich schweife ab. Wir sind ja in Auckland und haben uns einen Hopp-on Hopp-off Bus geschnappt, die rote Linie. Wir kennen Auckland, aber auch ganz Neuseeland ja nicht und müssen uns erst mal einen Überblick verschaffen. Das Wetter bewölkt und sehr windig. Aber trocken. Und meine Haare sind weder für die Schifffahrt noch für diese Busse gemacht.

Auckland ist sehr, sehr schön, sehr sauber und wohlhabend und die Preise für Eigenheime und Drinks sind wie bei uns. Für den Rest wahrscheinlich auch. Für das Mittagessen haben wir vor ein paar Tagen im Skytower gebucht. 220 Meter über der Stadt. Obwohl Rémy später umbuchen musste, denn dieser eine verlorene Tag hat auch ihn völlig durcheinander gebracht. Das Essen war aussergewöhnlich, aber sehr gut. Und sie haben die ganze Stadt anderthalb Mal um uns kreisen lassen. Ist mir jetzt noch schleierhaft wie die das gemacht haben. Oder haben wir uns gedreht?

Nachher Bus, blaue Linie. Das war nicht so umwerfend. Aber nett. Im Anschluss im unglaublich lebendigem Hafenviertel etwas herumgetrunken und einfach Freude am Leben gehabt. Und es gab Elektro-Trottinetts, und mit denen wollten wir unbedingt herumkurven. Leider scheitern wir am elektronischen Zugang. Aber in Christchurch soll es auch welche geben. Da sind wir dann besser präpariert.

Nächster Tag: Rotorua. Das Wetter ist schlimm, sehr schlimm, ganz schlimm. Wir schleichen uns im Schritttempo und Verspätung in den Hafen. Unser vorgesehener Parkplatz ist schon besetzt. Weitersuchen. Und so ein Schiff ist gross. Der Kapitän findet dann einen, aber alle Ausflüge sind enorm verspätet. Jeder will ja irgendwo hin. So fluten etwa 500 Personen gemeinsam das Constellation Theatre um ihre Vouchers in Bustickets umzutauschen. Es ist Chaos pur. Als Rémy und ich endlich dran sind und wir das Schiff verlassen, hat es den wunderbar grossen Regenschirm, den ich mir vor der Gangway geschnappt habe auf der Gangway einfach in Einzelteile aufgelöst. Denn draussen flutet es auch, aber mit enormem Wind. Und wie. Weltuntergang ist angesagt. Im Bus, etwa zwanzig Meter entfernt patschnass, wie alle andern auch. Es folgt eine unendlich verregnete und lange Busfahrt. Zu unserer Seekreuzfahrt mit einem exquisiten Mittagessen an irgendeinen See. So das Programm. Das Schiff kann wegen des hohen Wellenganges leider nicht in See stechen. Aber immerhin Mittagessen gibt es auf dem stehenden Schiff. Na ja, das mit exquisit lasse ich jetzt aus. Dafür hat mich die Maori-Truppe, die uns mit Gesang und Stammesbräuchen während des Essens beglückt, mit ihrem Geschrei zu Tode erschreckt. Da waren alle wieder wach. Die können schreien!

Weiter zu Waiotapu Thermal Wonderland. Irgend so ein vulkanisches Gebiet. Da siehst du mal auf was für einer dünnen Schicht wir unser gedacht gefestigtes Leben aufbauen. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Und es hat nach Schwefel gestunken wie tonnenweise faule Eier, ich will einfach nur noch kotzen. Ich mache es nicht, Noblesse oblige! Aber es ist sehr interessant und es hat ausgerechnet für diese eine Stunde nicht mehr aus Kübeln gegossen. Manchmal hat man einfach Glück.

Abends auf dem Schiff wollen alle nur noch heisse Suppe und ich glaube, der Bär war auch nicht mehr los. Ist mir aber auch egal, ich will nur noch schlafen.

Das wärs für heute.

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