Jetzt wird mal gereist !!!

V / Bevor ich mich ständig im Nirwana meiner Nebenkriegsschauplätze verliere, reisen wir nun ein bisschen. Aber ich finde es halt unglaublich spannend, zuzusehen und zuzuhören was hier so alles abgeht.

Reisen. Und da hole ich jetzt in einem Affentempo und kurz nach.

Ushuaia / Argentinien: Nationalpark und Ende der Welt Zug. Toller Ausflug. Und als wir vor sieben Jahren hier waren, ankommend aus der Antarktis, hiess es noch: Ushuaia, der Arsch der Welt. Wirklich! Heute dürfen sie das nicht mehr so nennen. Es heisst  nur noch: Ushuaia, das Ende der Welt. Leider hat unser Pub nicht offen, aber die andere Kneipe war auch ganz o.k. Super Ausflug und nette Menschen getroffen.

Dann Seetag. Und nichts gemacht

Stanley / Falklandinseln: Die haben wir von ganz Weitem gesehen. Kein Landgang. Zu hohe Wellen. Kein Tendern möglich. Das war für einige englische Passagiere sehr, sehr traurig. Sie haben diese Reise nur gebucht um hierher zu kommen. Um einmal dort zu sein, wo ihre Angehörigen im Falklandkrieg umgekommen sind oder gekämpft haben. Es ist nämlich sehr kompliziert, auf die Falklands zu gelangen. Wir hatten vor sieben Jahren Sonnenschein pur und den heute immer noch aktiven Pinguinclub gegründet.

Zwei weitere Seetage, also total vier. Da merkt man dann schon, dass einige Passagiere den Schiffskoller haben. Wir dümpeln ganz langsam vorwärts und das Wetter ist grau in grau und nicht für’s Pooldeck geeignet. Zu kalt. Dann fangen die Passagiere an, das Haar in der Suppe zu suchen und auch zu finden. Das sind jeweils spannende, sehr emotionale Diskussionen!

Am vierten Seetag hatten wir dann unsere Cocktailparty in Suite 1100. Gottseidank haben sie ein Schild an der Türe, mit Namen und Vornamen. Erste Hürde elegant gemeistert. Die Suite ist schon grösser als unsere. Ein grosses Schlafzimmer, zwei Badezimmer, ein Wohnzimmer und eine sehr beeindruckende Bar. Der Balkon ist aber nur unwesentlich grösser als unserer. Wir waren dann ungefähr zwölf Personen und zwei Pinguine. Also schwarzweiss angezogene Butler. Ein Buffet war aufgebaut, wie wenn halb Südamerika durchgefüttert werden muss. Und das vor dem Abendessen. Und leider wussten die Butler nicht, dass Weisswein kühlgestellt werden muss. Aber es war eine total vergnügliche Sache und seither sind wir mit Marvel und Grant befreundet.

Punta del Este: Rémy ist auf einem anderen Ausflug als ich. Manchmal tut etwas Abstand einer Beziehung ganz gut. Das ist aber nicht der Grund. Rémy wollte Oldtimer mit Stadtrundfahrt und ich Stadtrundfahrt und ein Museum. Wir haben uns aber nach dem Ausflug wieder gefunden und im Hafen zu Mittag gegessen. Sehr gutes Essen und sehr, sehr lustig. Weil, wir verstehen einfach deren  Sprache nicht und sie unsere auch nicht. Aber lesen können wir fast alles. Und so konnten wir doch ungefähr das bestellen was wir wollten.

Montevideo / Urugay: Rémy schwingt sich auf ein Fahrrad und macht eine sehr begleitete Stadtrundfahrt mit dem Velo. Ein Aufpasser vorne, einer hinter der Gruppe. Dazu noch zwei Polizisten als Eskorte. Aber auf Motorrädern. Ich habe mir freigenommen, denn ich bin total erkältet. Weil, gestern war es das erste Mal warm und ich völlig falsch angezogen. Statt auf dem Schiff Mittag zu essen, sind wir dann zu den nahen Markthallen geschlendert und haben dort gegessen. Viele kleine Restaurants und der Fleischberg, der uns serviert wurde war imposant. Leider kann ich kein Fleisch mehr sehen. Dann machen wir eine weitere Stadtbesichtigung zu Fuss. Und am Abend vermeldet Rémy stolz, dass ich 5,6 Kilometer gelatscht bin. Das dürfte Jahresbestleistung für mich gewesen sein.

Buenos Aires / Argentinien: Ha, das war ein Tag. Da unser Ausflug erst am späten Nachmittag stattfindet, hängen wir einfach auf dem Schiff herum. Völlig unmotiviert und zu nichts zu gebrauchen. Keine Lust auf Buenos Aires! Der Ausflug am Abend ist dann total abgefahren. Und wir sind nur sechs Passagiere, die mutig genug waren, dieses Abenteuer zu buchen. Shop for Dinner & Set the Table. Mit Enrique, unserem Betreuer, haben wir das grosse Los gezogen. Ein sehr gebildeter junger Mann, der uns seine ehrliche Sicht über Argentinien erzählt. Zwischen Tourist und dem wirklichen Leben hier kannst du locker den Marianengraben parkieren. Das Gefälle ist enorm. Aber nicht nur hier. Also, wir fahren mal los und unterwegs laden wir eine Frau, samt Sohn und Tochter auf. Es wird uns erklärt, dass das unsere Gastgeber heute Abend sind. Mario, der Mann der Frau stehe zuhause in der Küche und sei schon am Kochen. Nicht vor Wut, sondern für uns alle. Erster Halt bei einem Feinkostcenter und noch etwas einkaufen. Dann um ein paar Blöcke laufen und wir stehen in einer Privatwohnung mit einer riesigen Terrasse. Mitten in der Stadt. Es hat uns umgehauen. Der kleine Sohn ist ein perfekter Barman , die Mama und die Tochter unterhalten uns und auf dem Grill liegen wieder Riesenfleischberge, die Mario schon vorbereitet hat. Nebst vielem mehr. Empanadas und so weiter Wir trinken und essen uns durch einen ungemein anregenden und sehr interessanten Abend. Fünf Argentinier, zwei Australier aus Tasmanien, zwei vom Brexitvolk und wir. Wir hätten ewig weiter diskutieren können, sind aber schon lange über der Zeit. Und unser Chauffeur muss dringend eine Gruppe von einem Tangoabend abholen. Schweren Herzens ziehen wir von dannen. Aber unsere Gastgeber fahren mit uns noch zu einem Pavillon, wo das ganz normale Volk Tango tanzt. So viel Hingabe, so viel Leidenschaft. Ich hätte stundenlang zusehen können. Es war wirklich ein aussergewöhnlicher Abend.

Buenos Aires / Argentinien, zweiter Tag: Heute wollen wir La Boca erkunden. Dafür hatten wir vor sieben Jahren einfach keine Zeit. Das ist das Los eines jeden Kreuzfahrers. Du hast immer nur einen kurzen Blick in ein Land, eine Stadt oder was immer. Wusch, und schon bist du wieder weg. Manchmal bedauerst du das und manchmal bist du auch froh.  La Boca ist farbig, fröhlich, total lebendig und voller Touristen. Hat eigentlich nur vier oder fünf kleine Strassen. Nach einem Aperitif mit Tango in einem anderen Lokal gegessen. Auch mit Tango. Für mich Pizza und für Rémy Tagliatelle mit Seafood. Auch Rémy ist am Ende seines Fleischkonsums angekommen.

Und hier endet unser erster Reiseabschnitt. Und Ihr seid schon fast dort wo ich bin.

Buenos Aires

R / Nach 14-stündigem Anschleichen auf dem grossen Rio de la Plata findet Captain Uboldo dann doch noch den Hafen in Buenos Aires. Das Schnellboot soll knapp zweieinhalb Stunden benötigen … Aber RSSC scheint uns einfach keinen Ausgang oder freien Auslauf zu gönnen! Wir verlassen Montevideo schon um 18:00 h und das finden wir nicht so nett.

16 – 17 Millionen Einwohner zählt die Hauptstadt Argentiniens – da bekommen wir schon fast wieder Platzangst und trauen uns kaum vom Schiff. Die Highlights, die uns auf den diversen angebotenen Touren gezeigt werden sollen, haben wir beim letzten BA Besuch schon mindestens zweimal gesehen. Und die riesige Ausdehnung der Stadt macht es Fremden nicht leicht, sich schnell zurechtzufinden und frei zu bewegen, also warten wir auf unsere Tour, ‚Shop for Dinner & Set the Table‘, die erst am späteren Nachmittag startet. Und die entwickelt sich zu einem echten Highlight: Zu sechst + Tour Guide Enrique fahren wir quer durch die Stadt Richtung Norden, da hält der Fahrer kurz an und Sandra steigt mit Mariana und Augustin zu, Umarmungen und Begrüssungs-Küsse, als ob wir uns ewig kennen würden! Wir gehen zusammen einkaufen und landen fröhlich in ihrer Wohnung im 1. Stockwerk eines mindestens 15 Etagen hohen Hauses. Die einzige mit Terrasse, 4 x 20 m gross, angrenzend ans nächste Hochhaus. Augustin mixt uns Fernet-Cola zum Apéro (weniger schlimm als befürchtet), Mario gibt den geübten Master of the Grill und die beiden Damen charmieren und unterhalten sich aufgeregt mit uns 6 Gästen aus Tasmanien, UK und uns beiden Schweizern! Das feine Nachtessen: Rohschinken und Parmesan (wie bei uns), Empanadas, dann Chorizo-Sandwiches, Asada (selbstverständlich schon wieder Beef) und zum Dessert ein hypersüsses Omelett mit Dulce de Leche und Früchten. Zu guter Letzt Tango at its best: Keine Show für Touristen, sondern ganz normale Puertenõs aus dem Quartier, die sich am Freitag Abend zum leidenschaftlichen Tanz im Pavillon des Parks treffen. Dieses Experiment (wir waren die zweite Tour dieser Art) erwies sich als ein wahrer Höhepunkt und es tat allen weh, schon wieder Abschied nehmen zu müssen …

Am zweiten Tag an der guten Luft (Buenos Aires) liessen wir von einem hop on hop off Bus nach La Boca chauffieren, sahen auf der Fahrt dahin halt nochmals die Plaza di Majo, das Drumherum und ein paar Prachtstrassen, Monumente und architektonische Meisterwerke. Dann vergnügten wir uns im farbigen und lauten Gewusel dieses etwas ans French Quarter in New Orleans erinnernden Fleckens, unweit der Bonbonera, des Stadions der Boca Juniors, in dem Diego Armando Maradona gross wurde bevor er zu Napoli wechselte. Ah ja, auch die Wirkungsstätte von Papst Franziskus haben wir kurz gesehen. Vreni hatte dann noch das Glück, bei diesen beiden Grössen gleichzeitig Audienz zu geniessen …

Montevideo

R / Ich starre auf den GPS Tracker und staune: Der lustige Uboldo scheint gleich Richtung Rio weiterzufahren, nachdem er uns viel zu früh von Punta del Este wegbefohlen hatte! Aber irgendwie muss er ja die Zeit totschlagen, nicht dass wir schon um Mitternacht in der Hauptstadt des sympathischen zweitkleinsten Landes Südamerikas ankommen …

Bei heftigem, unangenehmem kühlen Wind starte ich mit zur Stadtbesichtigung per Fahrrad. Vincente führt uns kundig und mit doppelter Polizei-Motorrad-Eskorte durch die Innenstadt, erklärt uns Geschichtliches, Kulturelles und vieles mehr. Bald haben wir die wichtigsten Plätze und Monumente gesehen und dann radeln wir einfach die lange Rambla entlang, kilometerweit, mit Rückenwind. Wie der Retourweg auf der selben Piste dann war, könnt Ihr Euch selber ausmalen, der Wind hat auf jeden Fall nicht gedreht …

Das alles überragende Thema war der Fleischkonsum der Uruguayaner: Gemäss Vincente fast ein halbes Kilo pro Kopf und Tag – gemäss meiner Internetrecherche hat er schon ziemlich übertrieben, aber wie die Portionen aussehen, haben wir dann beim Mittagessen (wieder mal auswärts!) selber erfahren dürfen/müssen. Wir haben das nicht wegputzen können, beim besten Willen nicht! Aber gut war’s, sogar Vreni hat zugelangt, allerdings nicht bei Blutwurst und Sauschwänzchen …

Bei herrlichstem Wetter, Sonnenschein und angenehmsten 24° C erkundeten wir dann die lebhaften Gassen mit all den Kneipen und Shops, lokalem Kunstschaffen und wohltuend wenigen internationalen Brands, die sonst schon fast weltweit jedes Stadtbild verwüsten und eintönig gestalten.

Die noch erahnbare, ehemals wunderschöne Architektur, das Nebeneinander von Zerfall, Erneuerung und Geschmacklosem aus den 60er und 70er Jahren ergeben einen besonderen Mix. Die Leute auf den Strassen leben – sind fröhlich und scheinen für alles Zeit zu haben. Der Verkehr rollt für unsere Verhältnisse (aber ganz speziell für das restliche Südamerika) gemächlich dahin, rücksichtsvoll und viel weniger laut als erwartet.

Montevideo gefällt uns, in drei Tagen kommen wir ja wieder zurück …

Punta del Este (Uruguay)

R / Vom Ende der Welt zu den Malvinas (für Argentinien) oder Falkland Islands (Für die Engländer) – ein Seetag zum Lesen und Ausruhen.

Als wir eigentlich schon fast in Sichtweite von Port Stanley angekommen sind, entscheidet Captain Uboldo, dass der Seegang zu stark und die Dünung zu hoch seien für ein sicheres Tendern und wir darum gleich Kurs auf Punta del Este nehmen würden. Schade, aber Sicherheit geht vor.

Wir wären gerne dahin zurückgekehrt, wo wir vor sieben Jahren unsere ersten freilebenden Pinguine kennengelernt und den Pinguin Club gegründet hatten, neue Pins hätten wir auch gerne gekauft … Viel trauriger aber waren einige Engländer, die dahin zurückkehren wollten, wo sie mal im Namen der Krone gekämpft oder gar Angehörige verloren hatten.

Und so dümpeln wir drei Seetage lang weiter Richtung Uruguay. Wenn unser Master etwas mehr drauf hätte (oder die Reederei zustimmen würde ???), hätten wir ja auch Gas geben können und mehr Zeit im nächsten Port of Call verbringen dürfen …

Punta del Este, die Côte d’Azur Südamerikas, überrascht uns. Eine Stadtrundfahrt führt uns durch wunderschöne Parkanlagen mit fantastischen Villen, alles pick fein gepflegt, ohne Mauern oder Zäune. Die meisten (sehr teuren) Immobilien stehen mehr als 9 Monate leer und werden von den Schönen und Reichen nur von Januar bis März genutzt. Die Kriminalitätsrate hier sei praktisch bei null und die Korruption für südamerikanische Verhältnisse sehr niedrig – und die Banken würden (gemäss unserem tour guide Juan) wie in der Schweiz keine Fragen stellen (da muss Juan sein internationales Wissen wohl mal updaten …).

Und dann war da noch die hübsche Geschichte mit dem unvollendeten Trump Tower: Vor Jahren begonnen und jetzt sieht man keinen einzigen Arbeiter mehr … die sollen vom Präsidenten himself aus Punta del Este abgezogen worden und jetzt in Mexico mit Mauerbau beschäftigt sein. Da lachte nicht nur Juan sondern auch der ganze Bus, incl. Gästen aus den USA.

Eine architektonische Meisterleistung einer auf Sand gebauten Brücke, ein kleines Oldtimer Museum und ein Spaziergang durch das noch ziemliche leere Zentrum beschliessen die Tour. Dann vergnüge ich mich bei der Seelöwen Show am kleinen Fischmarkt und zu guter Letzt gehen wir mal ‚auswärts Essen! Nicht, dass wir auf dem Schiff Mangel leiden würden, aber mit der Zeit schmeckt es schon immer wieder ähnlich und die Menükarte (obwohl sehr reichhaltig) ist halt mit (zu) wenigen Ausnahmen (Catch of the Day) immer wieder dieselbe. Jammern auf höchstem Niveau – oder vielleicht auch einfach schon etwas zu vollgefressen und übersättigt …

Fin del Mundo: Ushuaia in Feuerland

R / „Fin del Mundo“ ist der Tourismus-Werbeslogan der argentinischen Stadt Ushuaia. Als wir das erstemal da waren, warb man auch noch mit „Cul de Mundo“ – das braucht ja wohl nicht übersetzt zu werden.

Nachdem ich Vreni am Vorabend versprochen hatte, den Wecker abgestellt zu haben, las ich im neuen Tagesprogramm, dass am frühen Morgen eine tolle Gletscherlandschaft entlang des Beagle-Kanals zu bewundern sei, machte diese Aktion rückgängig und entsprechend nett war dann Vreni’s Morgengemurmel um 06:30 … Ich liess sie weiterschlummern und begab mich aufs Deck:

Bald darauf kam Ushuaia in Sicht:

Noch im Hafen liegend wurden wir Zeugen einer spektakulären Rettungsaktion eines in Brand geratenen Katamarans. Retter preschten auf high speed jet skis durchs 7 Grad kalte Wasser, ein Feuerlöschboot kam dazu … Und viele unserer Mitreisenden wollen richtiges Feuer gesehen haben … die haben allerdings später auch fliegende Pinguine erblickt!

Und schon ging’s wieder auf Tour: Per Katamaran zu den Blauaugen-Kormoranen und Seelöwen, dann weiter in einen prächtigen Nationalpark und schliesslich mit der wieder neu in Betrieb genommenen historischen Gefangenen-Bahn zurück in die südlichste Stadt der Welt am A…. derselben.

Gegründet als Gefängnis hat sich Ushuaia weit entwickelt und ist heute eine betriebsame Drehscheibe für Reisende in die Antarktis oder auch nur für die schier unendliche und fast unberührte Weite Feuerlands und Patagoniens. Schöne Erinnerungen an 2 frühere Besuche kamen auf – nur ‚unser‘ Pub war zu und wirkte gar etwas verlassen …

Auf dem Weg zurück zum Schiff fragten wir eine junge Touristin, ob sie von uns dieses Photo machen würde. Dann stellte sich heraus, dass sie aus Winterthur kommt und momentan die Semesterferien ihres Studienjahrs in Lima feiert – und dann kam auch gleich noch die sie besuchende Freundin dazu … und sie kommt aus Ascona … Manchmal ist die Welt schon klein, und das erst recht am Ende der Welt!

Die weitere Geschichte ist schnell erzählt: Seetag mit Überfahrt zu den Falkland Inseln, kurze Wende weit ausserhalb von Port Stanley. Hoher Seegang, starker Wind und 6-8 Fuss Düngung …

Und Captain Ubaldo entscheidet: Kein Tenderservice verantwortbar und darum direkter Kurs auf Punta del Este, Uruguay!

Das bewirkte hier und dort etwas Frust, da kamen zum Beispiel Engländer nur mit auf diese Kreuzfahrt, um das Grab gefallener Familienangehöriger zu besuchen … Oder dahin zurückzukehren, wo sie während dem Falkland-Krieg gekämpft hatten.

Und die kläglich unterlegenen Argentinier glauben immer noch:

Auch wir waren enttäuscht, aber wir glauben daran, dass die oben auf der Brücke schon wissen, was sie tun.

Und es wurde wieder grün …

V / Vorgestern beim Mittagessen sitzen wir neben einem älteren Paar. Also noch älter als wir. Wir smalltalken dann hin und her. Der Mann sagte zwar keinen Ton aber die Frau wusste unsere Vornamen. Das ist etwas, was mich hier immer an den Rand meiner Fähigkeiten bringt. Egal, ob du beim Essen etwas näher zusammen sitzt oder einen Tisch mit Mitpassagieren teilst, bei Landausflügen in derselben Gruppe bist oder zusammen ein Puzzle machst. Alle Menschen hier stellen sich vor. Nur mit Vornamen, aber immer! Das Schlimme ist, die wissen dann auch für immer und ewig deinen Namen. Und grüssen dich jetzt jedes Mal und hello Verena, how are you und so weiter. Da stehe ich dann da, versuche mein Hirn im Raketentempo auf Höchstleistung zu bringen und ich habe trotzdem einfach keine Ahnung, wie diese liebenswürdigen Menschen heissen und wo sie in mein Leben getreten sind. Natürlich auf dem Schiff! Aber wir sind 600 Passagiere. Und ich lache und schwatze mit jedem. Gottseidank geht es Rémy genau gleich.  Jedenfalls hat dieses nette Paar gefragt, ob  sie uns am 3. Dezember um 18.00 Uhr zu einer kleinen privaten Cocktailparty in ihrer Kabine 1100 erwarten dürfen. Wow, wir haben noch nie eine Cocktailparty in unserer Kabine veranstaltet. Wir haben dann mal o.k. gesagt und nachher sofort im Katalog nachgeguckt, wo Kabine 1100 ist. Das ist der zweitgrösste Kabinentyp. Und von denen gibt es nur zwei auf diesem Schiff. Gestern Abend lag dann die schriftliche Einladung, leider nur mit deren Nachnamen in unsere Kabine und um Bestätigung wird gebeten und so weiter. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden wie diese Menschen mit Vornamen heissen.

Aber das nur nebenbei.

Wir reisen ja. Nachdem wir die letzten Tage viel Wüste und karge Sierra gesehen haben, Puerto Montt, Chile. Und da habe ich gemerkt, wie mir in der Wüste einfach die Farben und das Leben fehlt. Wir fahren durch eine wunderschöne Landschaft. Alles grün und alles blüht wie bei uns im Frühling. Die haben ja auch Frühling. Am Osorno Vulkan hat es mich fast weggewindet. Das war wirklich übel. Danach einen wunderschönen Wasserfall besucht und Mittagessen. Leider mit einer sehr unmöglichen und arroganten Lady am Tisch. Ich hätte ihr am liebsten die Suppe ins Gesicht geschmissen. Nächster Tag Puerto Chacabuco, ebenfalls Chile. Tönt fröhlich und wir haben den Ausflug vertiefte Natur gebucht. Wahrscheinlich Regenwald und so. Aber wer braucht schon einen Regenwald wenn es regnet. Vreni nicht. So ist Rémy mutig alleine von dannen gezogen und Vreni hat wieder mal nichts gemacht. Dann endlich mal zwei Tage frei beim Herumfahren in den chilenischen Fjorden. Die sind jetzt nicht unglaublich spektakulär. Ich habe Rémy immer gefragt, sind wir noch im Vierwaldstättersee? Nur, dass ab und zu, also eher selten ein Gletscher zu sehen war. Und wenn einer auftauchte, zu unmöglichen Zeiten. Dann Punta Arenas. Immer noch Chile, ist ein sehr langes Land. Das war ein toller Ausflug. Katamaranfahrt  zu einer Kormoraninsel, zu Robben oder Seelöwen und zu den kleinen Pinguinen. Es ist unglaublich windig. Und dieser extrem kalte  Wind schafft mich langsam.

Halbzeit

V / Gestern, gerade in Ushuaia/Argentinien angekommen, schlendere ich gemächlich über’s Pooldeck um einen Rundumblick zu starten. Auf einem Schiff rennt man nämlich nie. Man geht. Weit bin ich mit meinem Blick aber nicht  gekommen. Links von unserem Schiff liegt ein Gross-Katamaran und der brennt! Umgehend springen vier Menschen in das wirklich eiskalte Wasser und schwimmen vom Katamaran weg und verharren dann.  Besorgt sehe ich, dass noch weitere Menschen auf diesem Schiff sind. Ich gucke dann mal ein bisschen schärfer und irgendwie kommt mir das Feuer komisch vor. Zu orange. Kurz darauf kommen zwei Jet Skies angeratzt und zwei der im Wasser treibenden Menschen hängen sich hinten einfach an und werden abenteuerlich zum Hafen geschleift. Ein Löschschiff kommt ebenfalls und löscht und löscht. Die Hafenbehörden kommen auch und die anderen zwei Menschen werden auch noch gerettet. Gottseidank, es war nur eine Übung. Ich habe dann mit einem Offizier gesprochen und die grösste Angst der Besatzung ist immer, dass Feuer ausbricht. Und nicht dass das Essen für die Passagiere ausgeht. Ich meine dann, dass ich sicher nicht in dieses scheisskalte Wasser springen würde. Formvollendet sagt er, Madame wir sind hier ein Schiff das in so einem Fall vier Optionen anbietet. Erstens, wir haben Rettungsboote. Falls das nicht geht, haben sie die Wahl zwischen mit Rettungsweste in’s Wasser zu springen, zu verbrennen oder mit dem Schiff unter zu gehen und zu ersaufen. Ich glaube, er hat es nicht ganz so drastisch formuliert. Und meistens bist du dann nicht gerade in Hafennähe. Ich finde ja  die Auswahl nicht gerade prickelnd. Und Klaus, unser wunderbarer und unvergessener Hoteldirektor auf den Reisen, die wir mit Star Clippers gemacht haben, sagte mal: Vreni, wenn dieser Fall eintritt, dann wünschst du dir einfach ganz, ganz kaltes Gewässer. Dann geht das Ertrinken viel schneller als in der Südsee. Ich finde, das hat was. Jedenfalls war diese Übung sehr eindrücklich und das wird auch hier ständig geübt. Natürlich dann, wenn fast alle Gäste an Land sind. Wir wollen ja nicht erschreckt werden. Aber das nur nebenbei.

Ich reise ja.  Ich glaube, bis Coquimbo/Chile bin ich mit Euch gekommen. Nächster Tag statt Santiago de Chile San Antonio, und wieder mal keine Ahnung, was da war. Ich glaube, mich zu erinnern, dass ich mir frei genommen habe und nichts unternommen habe. Ich finde auf Rémy’s Blog einfach San Antonio nicht. Macht aber nichts, er datet Euch ja perfekt ab. Ich bin mehr so für die Details zuständig die keinen interessieren.

Dann cruisten wir einen Tag im Pazifik herum. Der Tag kam, der Tag ging. Aber in einem rasanten Tempo. Ab und zu müssen wir ja auch Bücher lesen, uns mit den wirklich netten Mitpassagieren unterhalten, essen, trinken und was man halt so macht.

Und jetzt muss ich leider schon wieder Schluss machen. Um 18.00 sind wir zu einer Tango-Show eingeladen worden. Nur für besonders treue Kunden. Ich muss nämlich noch duschen, die Haare waschen und mich aufmöbeln.

Aber ab übermorgen haben wir zwei Tage auf See. Und dann komme ich vielleicht endlich mal soweit, wie ich sein will!

Anmerkung Rémy 1: Vielleicht kommst Du soweit, wie Du dann wirklich bist 😂

Anmerkung Rémy 2 zum Titel: Es darf wohl mit Nachspielzeit gerechnet werden 😀

Durch den Beagle Kanal ans Ende der Welt

R / Nach einem ausgefüllten Tag in Punta Arenas (Da besteht ja eine lose Partnerschaft mit Sala Capriasca) lese ich zufällig (nachdem ich Vreni schon versprochen hatte, den Wecker abgestellt zu haben), dass um 06:30 weitere Gletscher entlang des Beagle-Kanals bewundert werden können – und so werde ich wieder aus dem Tiefschlaf gerissen, lasse Vreni diesmal aber weiterschlafen! (Sie hat ja auch schon mal einen Gletscher gesehen 😅 ).

Durch die chilenischen Fjorde und die Magellan-Strasse nach Punta Arenas

R / Es geht weiter nach Süden, nach Patagonien … zwei Tage lang durch endlose Fjorde mit von Gletschern rundgeschliffenen Hügeln, immer etwas karger werdender Vegetation, keiner Menschenseele weit und breit, keine Behausungen … Natur pur! Schön anzuschauen und den Gedanken freien Lauf zu lassen – aber kein Vergleich zur Wucht der spektakulären Fjorde in Norwegen. Das Wetter wechselte immer wieder, mal Regen, dann Sonne, viele hübsche Wolkenformationen und ziemlich windig und auch recht frisch.

Doch das Tagesprogramm am nächsten Morgen hat es dann in sich. Beim ersten Tageslicht (bei uns werden die Tage immer länger, je weiter wir nach Süden kommen) raus aus den warmen Federn und hinaus in den bissigen, kalten Wind: Ein eindrücklicher, direkt ins Meer führender Gletscher bereichert die Aussicht, die Passagiere sind hin und weg und füllen sämtliche Speichermedien.

Und dann, frühmorgens Ankunft in Punta Arenas an der breiten Magellan-Strasse. Da besteht eine lose Partnerschaft mit Sala Capriasca, eine Familie Lepori ist dahin ausgewandert und sie sollen bei einem Besuch vor ein paar Jahren in Sala sogar mit einem meiner Tessin-Bücher beschenkt worden sein! (Grazie mille Gemma!).

Das glaubt mir ja wohl niemand, aber ich habe mal den Sonnenaufgang erlebt … und das an Vreni’s Geburtstag!

Und gleich ging es los per Katamaran zu den Magellan-Pinguinen auf die Isla Madalena, einem Naturschutzgebiet mit einer ansehnlichen Kolonie dieser schwarz-weissen Tierchen, Tsunami wäre da überhaupt nicht aufgefallen und hätte sich sicher amüsiert!

Am Nachmittag begab ich mich noch ein wenig auf Spurensuche in der Stadt … und am Abend hiess es schon wieder Abschied nehmen. Wir verlassen Chile und nehmen Kurs auf Feuerland, ans Ende der Welt!

Und dann war da auch noch Thanksgiving … und da der beliebte US-Präsident gleich zwei Truthähne begnadigt hatte und wir das endlich mal als eine gute Tat seinerseits einstuften, taten wir es ihm gleich und wichen bei der Menüwahl aufs Alternativprogramm aus! Übrigens, der Patissier macht sensationelle Soufflées … hab schon alle durchprobiert!

Puerto Chacabuco – Parque Aiken del Sur

R / Vreni musste gespürt haben, dass das eine feuchte Sache werden könnte … war auch nicht so schwer, auf Regen zu tippen, er begleitete uns schon die ganze Zeit auf der Anfahrt nach Puerto Chacabuco, eigentlich nur der Hafen von Puerto Aisen, das seit einem Vulkanausbruch nun rund 10 km vom Meereszugang entfernt liegt … und entschied sich darum für einen Ruhetag auf der Mariner mit Aussicht auf viel grün und darüber grau und ein paar Lachsfarmen im Hintergrund.

Patagonia at its depths … war der Titel meiner heutigen Excursion auf einem gut angelegten Pfad durch den Privatpark. Paolo hat uns jeden Busch einzeln euphorisch vorgestellt (muss ein entfernter Verwandter vom Steinspezialisten Eddie sein!) und wir wurden nässer und nässer, was der guten Stimmung in der Gruppe aber überhaupt nicht zusetzte. Nach der Botanik (den Puma haben wir leider verpasst – oder vielleicht hat er uns verpasst? Oder gar nur verschont?) gab es auch Kulinarik im tollen Guesthouse am See: Asada, ganzes Lamm am offenen Feuer gebraten, eine der patagonischen Spezialitäten!