Auf der Jagd nach Flugzeugen und Koffern

Eigentlich war alles ganz einfach: wir fliegen von Lugano nach Zürich. Dort mit meiner Schwester und meinem Schwager etwas essen. Weiter nach Paris, Los Angeles und Papeete. Alles perfekt geplant und mit genügend Umsteigezeiten. Morgens um acht erstes e-mail von Swiss: Es wird dringend geraten, den Zug nach Zürich zu nehmen. Nebel über Lugano-Agno. Da wir Lugano-Agno von uns aus sehen, gucken wir mal runter. Ja, da liegt schon was rum, aber das wird sich dann schon verflüchtigen. Schliesslich war es der erste schöne Tag nach 18 Tagen Regen. Und unser Flug geht ja erst um 10.30 Uhr. 08.45 zweites mail von Swiss: der Flug wird gestrichen. O.k. Macht nichts, nehmen wir den Zug. Zeit haben wir, wenn auch das Treffen mit meiner Familie leider dran glauben muss.

Und mit 2 grossen Koffern und 2 Handgepäckstücken Zug fahren mit Umsteigen ist auch nicht gerade lustig. Nach der Kofferschlepperei machte ich noch Witze und sagte, ich möchte mal so reich sein, dass ich nur noch die Kreditkarte dabei haben muss. Da ahnte ich noch nicht, wie sehr mich der Anblick von 2 grossen Koffern beglücken würde.

Aber der Reihe nach. In Zürich speditiv eingecheckt. Es reicht sogar noch für einen Kaffee. Dann ab zum Gate. Da stand dann schön rot geschrieben: Weitere Informationen zum Flug nach Paris in einer halben Stunde. Murphys Gesetz kam langsam in die Gänge.

Air France tröstet uns sehr und meint, der Flieger aus Paris kommt. Dass er wegen technischer Probleme mitten im Flug wieder heim nach Paris wollte, sagt uns keiner. Sonst hätte es wahrscheinlich sicher noch einen Flug nach Paris gegeben. So warten wir gottergeben und fangen an zu rechnen. Aber alle, auch noch so gewagten Rechenkünste sagen uns, das reicht nie für den Weiterflug nach Los Angeles. So ist es dann. Nach ca. 4 Stunden warten und umbuchen, Gepäck wieder holen und bei Lufthansa abgeben ( Air France fliegt nur alle 2 Tage nach Papeete), Hotelvoucher fassen inklusive Abendessen für 35 Franken pro Person landen wir im Airporthotel Mövenpick und begiessen diesen doch sehr erfolgreichen Tag für mehr als 35 Franken pro Person. Schliesslich haben wir es von 09.15 Uhr bis 20.00 Uhr geschafft, von Lugano nach Zürich zu kommen. Reife Leistung.

Nächster Morgen. Früh aufstehen und da stehen wir pünktlich am Gate für den Flug nach Frankfurt. Denn der Plan sieht nun vor: Zürich-Frankfurt, Frankfurt-Los Angeles mit Lufthansa. Dann Los Angeles-Papeete mit Air Tahiti Nui. Wir stehen aber immer noch am Gate für Frankfurt. Und der Flieger kommt nicht und kommt nicht. Schlechte Wetterverhältnisse. Wir rechnen wieder und wollen das Endergebnis gar nicht mehr wissen. Aber siehe da, mit einer Stunde Verspätung heben wir ab. Die Pilotin ist sehr kooperativ und gibt während des Fluges mehrmals durch, dass Frankfurt am arbeiten ist und bisher keine Anschlussflüge umgebucht wurden. Schliesslich sind wir ja nicht die Einzigen die weiterwollen. Aber dass die Passagiere sich in Frankfurt dann schon sehr beeilen müssen.

Landung Frankfurt. Da lege ich dann den Spurt meines Lebens hin. Rémy voraus wie Usuain Bolt, ich in seinem Kielwasser hinterher. Nur, dass die Laufstrecke durch den gesamten Flugplatz vorgesehen ist, wusste ich nicht. Und Frankfurt ist wirklich enorm gross. Ben Johnson in seinen besten Dopingzeiten hätte das nie geschafft. Ausgepowert stehe ich dann am Gate, der Flug ist längst geschlossen. Aber da steht ein unglaublich netter Mann und sagt, wir haben auf euch gewartet und jetzt erst mal die Herzfrequenz senken. Und tatsächlich, da steht eine vollbeladene A-380 und wartet geduldig bis auch wir kommen. Klar haben uns die Mitpassagiere etwas sehr missgestimmt angeschaut. Mache ich auch immer so, wenn Passagiere sich doch noch entschliessen, mitzukommen. Der Slot war natürlich vorbei, aber irgendwann waren wir über den Wolken. Da wo die Freiheit grenzenlos ist.

Nach der ersten Euphorie sage ich zu Rémy: Das haben wir mit gütiger Mithilfe super hingekriegt, aber ich glaube nicht, dass unser Gepäck das auch geschafft hat.

Ankunft Los Angeles. Amerikaner sind noch nicht ganz auf dem neuesten Stand. Transitpassagiere kennen die nicht. Das heisst, du machst die ganze Immigration. Und seit neuestem zweimal. Zuerst an einem Automaten. Fingerabdrücke, Daumen separat, Foto. Die üblichen 10 Fragen usw. Das funktioniert sehr speditiv. Nur, dass man denselben Scheiss nochmals vor einem Einwanderungsbeamten macht, ist mir ein völliges Rätsel. Ich will nicht nach Amerika einwandern. Schon gar nicht zwei Mal. Wir wollen nur weiterfliegen. Auch das Gepäck musst du rausnehmen, alles, und es sofort nach der Einwanderung auf ein Band schmeissen. Damit es zu den entsprechenden Flügen weitergeleitet wird. Nur war da wie befürchtet kein Gepäck, das wir irgendwohin hätten schmeissen können. Also ab zum Schalter von Air Tahiti Nui. Zeit haben wir nicht mehr viel. So Ein- und sofort wieder Auswandern ist sehr zeitintensiv. Air Tahiti beruhigt uns. Wir stehen nicht auf irgendeiner Liste von verschollenem Gepäck. Wahrscheinlich wurde es direkt auf Tahiti Nui umgeladen. Hätte ich noch irgendeine Regung von mir geben können, hätte ich dem netten jungen Mann gesagt, dass Amerika zwar daran arbeitet Great Again zu sein, aber sicher keinen Koffer anfasst, den der Besitzer nicht höchstpersönlich auf irgendwas geschmissen hat. Rémy ist immer noch voller Hoffnung, dass in Papeete alles wieder zusammenpasst.

Dem ist dann nicht so. Lost and Found aufgesucht. Und die Dame sucht und sucht und teilt uns dann sehr einfühlsam mit, dass das Gepäck noch in Frankfurt ist. Aha. Und wann können wir eventuell damit rechnen?

Wir bekommen ein Notfallset und den Trost, dass das Gepäck nach Raiatea geflogen wird. Unser heutiger Anlaufort. Denn seit gestern sind wir ja schon auf dem Schiff. Mit je einem Paar Bluejeans, je einem Paar kurzen Hosen und 2 Polo Shirts plus Badehose. Und natürlich einem Winterpullover.

Und vor 2 Stunden war ich dann wirklich von den Socken. Mein Koffer wurde tatsächlich gebracht. Ich war sowas von hin und weg. Nur, als ich fragte, wo denn der Koffer meines Mannes ist, waren wieder alle ratlos. Ich auch….. The never ending Story geht also weiter.

Murphy, Du kannst mich mal….

Fotos folgen sobald unsere Internet-Verbindung es zulässt …

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7. Etappe

Liebe Familie, liebe Freunde,

Vor ungefähr elf Monaten sassen wir im schiffseigenen Reisebüro der Regent Seven Seas Voyager und erfragten Lösungen für 2018, betreffend unserer Weltumrundung per Schiff. Wir waren damals auf dem Weg von Singapur nach Peking. Seit Japan und bis China froren wir uns damals allerdings unseren Hintern ab. Und ich auch noch die Füsse. Seit dieser Reise weiss ich den Unterschied zwischen effektiver und gefühlter Temperatur. Und unsere einzige Vorgabe war, es muss warm sein! Und ob sie zu unserer Weltreise passt, war uns echt egal.
Aber die Reisebüro-Dame war sehr kooperativ und suchte emsig. Und das Resultat ist sehr erfreulich. Warm bis moderat. Das Projekt geht also weiter. Allerdings nicht mit unserem Lieblingsschiff, der Voyager. Sondern mit der Mariner. Ein Schwesterschiff. Aber mit der haben wir schon voll Speed den Atlantik überquert (Herzinfarkzpatient), vor dem Amazonas eine Helikopter-Rettung geschafft (Magendurchbruch eines Küchenchefs) und unzählige Unfälle und Krankheitsfälle erlebt und überlebt. Ich hoffe, die Patienten auch. Die Gäste gingen, es wurden immer mehr Kabinen frei. Und die Mariner musste einen Motor opfern.
Nun steht die siebte Etappe unserer Weltumrundung per Schiff an. Sie führt uns von Papeete/ Tahiti über diverse Inseln der Südsee nach Auckland/Neuseeland. Da dieser Abschnitt nur zwei Wochen dauert, und die Flüge nach Papeete ziemlich lange dauern und die Flüge von Auckland wieder nach Hause ebenso ein Würg sind, haben wir gleich die nächste Etappe dazu gebucht. Diese wird uns von Auckland an der Südküste Neuseelands vorbeiführen und via Tasmanien nach Sydney bringen. Da bleiben wir dann noch drei Tage bei Freunden, die uns die Blue Mountains zeigen wollen.
Wir werden die Erde mit Flugzeug und Schiff genau einmal umrunden. Und wir werden einen Scheiss-CO2 Wert hinlegen. Wir entschuldigen uns jetzt schon dafür. Aber dafür haben wir Thermo-Solar und Photovoltaik auf unserem Dach! Immerhin.
Und wir werden versuchen, Euch ab und zu über den Stand der Dinge zu informieren, ob die Erde noch rund ist und weitere wichtige Dinge mehr.
So freuen uns auf unser Time-Out und hoffen, auch Ihr habt eine gute Zeit und immer schön gemächlich mit dem Weihnachtsstress umgehen!

Bacione
Vreni und Rémy

Es geht weiter …

Wir sind heute zur nächsten Etappe gestartet …

Perfekter Start in die lange ersehnten Ferien: Bei Swiss Economy gebucht, wegen Nebel in Lugano-Agno Flug LUG-ZRH gestrichen (bei uns in Sala seit 18 Tagen erstmals wieder schönster Sonnenschein) und darum Upgrade in die 1. Klasse 😂

Bejing – Sala Capriasca (01.01.2018)

Start zu einem langen Tag bei herrlichstem Wetter (draussen ist es immer noch kalt, aber das interessiert uns nicht mehr gross …) – Fahrt durchs moderne Bejing zum Flugplatz und dann auf einem sehr ruhigen Flug mit British Airways über die Mongolei, Sibirien und das Baltikum via London nach Milano Malpensa, wo wir wie vereinbart und pünktlich abgeholt werden, unsere Koffer durch den liegengebliebenen Schnee ins Haus tragen und uns unserer Freunde und Nachbarn Begrüssungs-Deko, Weihnachts-Guezli und Kühlschrankfüllung erfreuen, bevor wir erschöpft ins Bett sinken …

Bejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + HeimflugBejing / China + Heimflug

Bejing 3 / China (31.12.2017)

Unseren dritten (und letzten) Tag in der Hauptstadt Chinas beginnen wir schon fast wie die Einheimischen: Frühturnen im Park des Temple of Heaven … Herrlich, wie sich da Jung und Alt auf Gymnastik-Geräten aufwärmt, die Beweglichkeit fördert, sich den Rücken krault, tanzt oder rezitiert, singt und spielt, malt und einfach nur miteinander plaudert …

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Es folgt der Besuch eines weiteren UNESCO World Heritage Sites: Der Himmelstempel, erbaut 1420 von den Ming und Qing Dynastien und vor allem für Gebete und Opfer zugunsten guter Ernten gebraucht …

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Und dann gelangen wir als ausländische Touristengruppe ganz einfach durch die Sicherheitskontrolle und eine Unterführung auf den Tian’anmen-Platz. Zurückblickend sehen wir auf der anderen Strassenseite unendlich viele Chinesen, die mehr oder weniger geduldig anstehend auf ihre Kontrolle und Zugang zum Zentrum Chinas warten. Man muss sich das mal vorstellen, der grösste Platz der Welt und das ohne freien Zugang. Er ist ca. 800 m lang und 500 m breit, umrandet vom Tor des Himmlischen Friedens, der Grossen Halle des Volkes, dem Chinesischen Nationalmuseum, dem Denkmal für die Helden des Volkes, dem Mao-Mausoleum (sollte es demnach nicht Maosoleum heissen?) und dem Haupttor Zhengyangmen. Ein eigenartiges Gefühl von Grösse und Weite gemischt mit einer Art Enge durch die kolossalen Bauten, abgegrenzt von breiten Avenues (auf der alle 10 Jahre die grosse Militärparade vor der Regierung vorbeizieht).

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Zurück durch die Stadt mit ihrem zwar dichten, aber doch meistens fliessenden Verkehr. In Lugano kommt man da oft langsamer voran … Es gibt zwar immer noch viele Velos, sie werden per App gemietet und können fast an jeder Strassenecke wieder stehengelassen werden … Alles in allem aber viel gesitteter und übersichtlicher als zum Beispiel in Saigon … Gehupt wird selten – und während der ganzen Zeit in diesen Millionen-Metropolen haben wir keinen einzigen Unfall oder auch nur eine kritische Verkehrs-Situation beobachten können, kein Vergleich zu unserem egoistischen Chaos!

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Früher soll Peking so ausgesehen haben … die Menschen lebten in kleinen, meist eingeschossigen Häuschen in engen Gässchen mit einem Brunnen und dem Gemeinschafts-Klo in der Nähe … die Modernisierung hat in den letzten Jahren die meisten davon zerstört, nur wenige solcher Quartiere, ‚Hutong‘ genannt, haben im Zentrum Bejings überlebt, so wie der von uns besuchte Lindang Hutong. Die Menschen leben gerne hier, trotz der Enge. Die Zusammenleben mit der Nachbarschaft ist wichtiger als viel Platz – die Mieten sind erschwinglich und so ist es wenig erstaunlich, dass in diesen optisch leicht als Armenquartiere qualifizierten Behausungen gar nicht unbedingt arme Leute leben. Tolle Autos versperren die Gassen, Parkplätze werden durch die Deponie von Grümpel und anderem freigehalten – und Bretter vor den Reifen sollen die Hunde beim Pinkeln stören … Wir erkunden Lindang per Rikscha und sind auch Gäste in einem museumsartig ausgestatteten privaten Haus, das gar im Besitz der Gastgeberin ist. Ein Verkauf würde sie zur reichen Frau machen, aber neue Wohnung sind sehr teuer und der Reichtum wäre gleich wieder dahin, darum denkt sie überhaupt nicht über einen Verkauf nach. Sie lebt mit Mann, Tochter + Schwiegersohnt und Enkelkind hier, bewacht von den vereingten Kommunisten dieser Welt auf einem Bild über dem Buffet.

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Letzter Programmpunkt unseres letztes Ausflugs ist der Bell Tower, in dessen Innern wir einer Tee-Zeremonie beiwohnen, nicht ganz so starr wie in Japan … aber ein paar Schlucke der verschiedenen Teesorten wärmen uns ein wenig auf. Auch hier gibt es zum Schluss eine Möglichkeit zum Shopping, aber 6000 $ für einen exclusiven, lange gelagerten und in Form eines Esstellers gepressten und vielleicht 2 cm dicken Tee – ‚Kuchen‘ (sah fast aus wie ein etwas dunkel geratener Biberfladen) sind uns dann doch zuviel …

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Ziemlich erschöpft von all den vielen Eindrücken und der Kälte kehren wir ins Hotel zurück, packen unsere Koffer, nehmen im Hotel noch ein paar Kalorien zu uns und verschlafen den Beginn des neuen Jahres 2018 …

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Bejing 2 / China (30.12.2017)

Heureka, unsere lieben neuen Freunde haben einen neuen Bus gefunden! Es ist zwar immer noch düster, neblig und kalt, als wir Bejing verlassen, um bei Juyongguan die Grosse Mauer zu besuchen, aber im Bus ist es fast schon kuschelig warm und wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man auch etwas. Und dieses Etwas wird klarer und blauer und kurz nachdem wir nach anderthalbstündiger Fahrt aus dieser Grossstadt hinaus (es leben so um die 22 Mio. Menschen hier, gemäss offiziellen Angaben per März 2016, gemäss unserem auch offiziellen Führer Terry sind es aber wohl eher knapp 30 Mio.) in die Berge kommen, macht sich Sonnenschein bemerkbar.

Der Wind ist weiterhin kalt, aber schon nach den ersten hundert steilen Stufen auf diesem Abschnitt des absolut unglaublichen Verteidigungswerks wird mir wärmer, und noch wärmer und nach und nach wird der Fuss-Verkehr immer weniger und ich geniesse den fantastischen Rundblick unter blauem Himmel über diese ringartig gebaute Anlage rund um den Juyongguan-Pass. Mit dem Bau der Chinesischen Mauer wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. begonnen. Sie erstreckt sich nach neuesten Erhebungen über 21.196,18 Kilometer und umfasst 43.721 Einzelobjekte und Standorte … da bleibt man sprachlos und ich nach knapp 40 Minuten und rund 1600 Tritten aufwärts auch atemlos! Runter geht’s schneller, wenn auch nicht viel ringer …

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Nach diesem absolut lohnenswerten, beeindruckenden Erlebnis hab ich wieder warm und es geht zurück richtung Stadt (die hier entstehenden, wahnsinnigen Wohnsiedlungen sind noch nicht überall ganz fertiggestellt) und zum Essen im Restaurant (wohl staatlich) über einer grossen Jade-Manufaktur mit noch grösserem Shopping-Bereich (sicher staatlich) …

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Weiter geht’s zu den Ming-Gräbern, es erinnert uns ein wenig ans Tal der Könige in Ägypten … In einer weiten Tal-Ebene und thronend auf den ansteigenden Hügeln darum herum sind viele Grabstädten der Kaiser und ihrer Angehörigen der Ming Dynastie lose verteilt.

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Auf dem Rückweg ins Hotel legt unser Fahrer eine Extraschlaufe ein, um uns wenigstens vom Bus aus einen Blick aufs Olympia-Gelände (2008) zu schenken, wir sehen unter anderem das Schwimmstadion und natürlich das von den Schweizer Architekten Pierre de Meuron und Jacques Herzog erschaffene Vogelnest. Uneinig über die weitere Verwendung der verschiedenen Stadien sind sich da gewisse Reiseführer (es steht alles leer …) und unser uns inzwischen ans Herz gewachsene Terry (alle Stadien sind ständig im Gebrauch). Terry arbeitet für eine staatliche Reise-Organisation (es gibt auch welche in Privatbesitz) und hat seinen Erzählungen zufolge schon den halben Planeten bereist, meist als Führer von chinesischen Reisegruppen. Und eines hat er uns von Anfang an klar und deutlich gemacht: Mit ihm wird nicht über Politik und gewisse Ereignisse aus der jüngeren Geschichte diskutiert!

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Als weiterer Bejing-Höhepunkt geht es nach einer kurzen Rast in ein hochgelobtes Restaurant (absolut sicher staatlich) zum Peking-Ente Essen.

Für uns eher ein Tiefpunkt … Ente steht erstens nicht auf unserer Favoritenliste, aber zweitens kann man ja eventuell dazulernen und probiert ab und zu mal wieder, um allenfalls seine eigene Meinung zu ändern. Und dann kommt es drittens halt so weit, dass sich das Gefühl wieder mal nicht getäuscht hat und dieses Essen absolut nicht unseren Geschmack trifft! Auch alles andere neben der Ente ist ziemlich geschmacklos und die Ente einfach nur fett …

Die Enttäuschung hält sich aber in Grenzen- wir sind eh schon ziemlich vollgefressen (das ist halt eben die Bürde der Kreuzfahrer) und verhungern wohl noch lange nicht!

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Bejing 1 / China (29.12.2017)

Heute ist der Tag der Vertreibung aus dem Paradies … Bereits um 08:05 müssen wir die Seven Seas Voyager verlassen – die erneute persönliche face to face imigration geht ganz flott vor sich (die Chinesen freuen sich, jeden Einzelnen von uns gebührend zu mustern, mit dem Passbild zu vergleichen und dann viele, viele Stempel auf irgendwelche Papiere zu knallen) und bald schon sitzen wir in einem kalten feuchten Bus, der uns die rund 200 km nach Bejing bringen soll, zweieinhalb Stunden Fahrzeit ist angesagt …

Und zweitens kommt es anders als man erstens denkt!

Entgegen unserer nicht allzu hoch angesetzten Erwartungen wärmt sich nichts im Bus, die Heizung scheint nicht zu funktionieren und die bereits beschlagenen Scheiben verwandeln sich in Wasserfälle! Reklamieren nützt nichts, es funktioniert einfach nicht! Bereits halbwegs durchgefroren realisieren wir dann doch noch, dass wir in einem Stau festhocken. Irgendwann geht es dann im Konvoi (wir sind drei Busse) auf einem Schleichweg (aber immer noch eauf einer gut ausgebauten Strasse) weiter. Genau so weit, bis ein Warnschild max. Höhe 2.50 auf eine massive Eisenkonstruktion hinweist, die uns auch noch das Car-Dach wegrasiert hätte … Openair Busfahrt hatten wir bei ähnlichen Temperaturen schon in Hongkong und das war auch nicht das Gelbe vom Ei! Also wenden, hoffen und dann auf einer Irrfahrt (von der wir visuell dank der völlig benebelten Scheiben nur wenig mitbekamen) nach Bejing weiter. Um 14:10 trafen wir dann im Restaurant ein (nach gut 5 1/2 stündiger Fahrt) und alles Essen war sehr gut, da warm!

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Wenigstens etwas aufgewärmt ging’s dann rasch weiter, zu einem der Höhepunkte Bejings: Die Verbotene Stadt! Eigentlich wunderschön und sehr interessant, von unserem Guide Terry auch bestens erklärt – aber warum haben Chinesischen Kaiser diesen scheisskalten feuchten Wind nicht auch gleich verboten? Und wegen unserer langen Fahrt und dem Eintreffen gleich bei Schalteröffnungs-Schluss mussten wir dann auch durch die ganze Anlage hetzen … was die Stehzeiten verkürzte und durch die schnellere Gangart wenigstens die Muskulatur ein wenig wärmte!

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Zurück in den Bus, mit Aufwärmen war da immer noch nichts aber der nette Chauffeur hat es wenigstens fertiggebracht, die Scheiben soweit trocken zu kriegen, dass wir für die nächsten zehn Minuten rausschauen können. Das war auch nötig, denn der geschichtsträchtige Tian’anmen-Platz (oder Platz des Himmlischen Friedens) war eben wegen einer Veranstaltung im Parlamentgebäude gesperrt worden und wir können aus der Ferne noch erkennen, wie das Räumungs-Kommando die Touristen vertreibt. Von uns reklamiert  niemand und Terry verspricht uns, dass wir diesen grössten befestigten Platz auf diesem Planeten (39,6 ha Fläche mit einem Fassungsvermögen von 1 Mio. Menschen) wohl am dritten Tag unseres Bejing-Besuchs sehen werden.

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Durchgefroren und müde erreichen wir das Regent Hotel, verwüsten sofort das schöne Zimmer in der 10. Etage und geniessen die Wärme und ein weiteres feines chinesisches Essen.

Tianjing / China (28.12.2017)

Die politischen Unsicherheiten und gegenseitigen Drohgebärden von hier namentlich nicht erwähnten machtbesessenen Idioten (was in diesen Weihnachts-Tagen zwischen Pjöngjang, Washington und dem Rest der Welt gelaufen ist, bekommen wir erst im Nachhinein mit!) hatten ja unsere mit grossen Erwartungen verbundenen Besuche in Südkorea verhindert (scheinbar wurde das von der Reederei schon vor ein paar Monaten beschlossen, fast alle wussten das, nur unser Reisebüro hatte uns nicht darüber informiert …). Wir verstehen das zwar, aber wir bedauern das auch und glauben nicht so richtig an die Entschuldigung, dass uns China nach einem Südkorea-Besuch nicht mehr hätte einreisen lassen! Das Ersatz-Programm mit den Besuchen von Kagoshima und Mijazaki hat ja auch etwas geboten und die logistischen Herausforderungen von Planänderungen einer Kreuzfahrt dieser Art können wir ja wohl nur ansatzweise vermuten … auch sind wir natürlich dankbar dafür, dass uns keine von Kim Jong Un’s Raketen auf den Kopf gefallen ist!

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Nach einer bewegten Überfahrt von Japan, unterhalb Südkorea durch das gelbe Meer erreichen wir unseren Zielhafen, Tianjing, wo wir im dichten feuchten Nebel bei rund 0°C anlegen. Genau dieses graue (nhafte) Bild haftete schon in unseren Köpfen, es entspricht genau der Idee, die wir haben, wenn wir von China’s Umwelt-Verschmutzungsproblemen lesen …

Zwar schon im Zielhafen angekommen werden wir aber nochmals auf ‚unserem‘ Schiff übernachten und darum steht erstmals ein Ausflug ‚Culinary Experience‘ auf unserem Programm. Wir fahren viele Kilometer weit auf einer modernen Autobahn mit Wolkenkratzer-Siedlungen, bei denen man nicht ganz klar versteht, ob die schon bewohnt sind oder nicht …

Unsere local guide Susan, sie spricht hervorragend Englisch, erklärt uns, dass hier viele viele Quadratkilometer Land in den letzten Jahren durch Aufschüttung gewonnen worden sind, um eine Hafenstadt zu bauen. Tianjing hatte 2015 rund 15 Mio. Einwohner und ist als Hafen von Bejing (Peking) von grosser Bedeutung (Bejing selber liegt ja ca. 200 km im Landesinnern).

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Dann stellt uns Susan gleich mal so richtig auf die Probe: Wir bekommen gruppenweise ein wenig chinesisches Geld und die Aufgabe, auf dem zu besuchenden Markt einzukaufen: Den zu kaufenden Artikel (er soll essbar sein …) benennt sie uns rein vokal, das phonetisch niederzuschreiben ist wegen der verschiedenen Betonungen (da könnte man in China ziemlich in den Hammer laufen!) schon ein Ding der Unmöglichkeit. Der schlaue Versuch, den Begriff per Tonaufnahme mitzunehmen, wird von der noch schlaueren Susan gleich unterbunden …

Wir stürmen, zusammen mit einem Amerikanischen Paar, los und machen bei der Vielfalt des Angebots dieses ‚kleinen lokalen Marktes‘ erst mal grosse Augen … Herrlich, wie uns die VerkäuferInnen freundlich zuhören und uns natürlich überhaupt nicht verstehen!

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Wir kommen schliesslich freudestrahlend mit einer schönen, grossen Orange zurück und Susan lacht sich halb kaputt … Longan Beeren wären gefragt gewesen … Ich scheine die nicht mal auf einem meiner vielen Bilder zum Thema eingefangen und verewigt zu haben!

Zur Aufmunterung gibt es dann eine chinesischen Frühstücksspezialität zu versuchen: Ein hauchdünner Pfannkuchen, gefüllt mit Gemüsestreifen, einem weiteren, frittierten Gebäck und Sojasauce … ??? … ist ja egal was da alles drin war, mir hat’s geschmeckt!

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Nach dieser unterhaltsamen Annäherung an China geht es in ein schönes Restaurant, wo wir ein (wenigstens mir) sehr wohlschmeckendes Essen mit hauptsächlich der Szechuan-Küche entsprungenen teilweise scharfen Speisen einnehmen dürfen. Auf einem grossen runden Tisch werden rund 10 verschiedene Platten auf einem Drehteller aufgetischt und jeder bedient sich nach Lust und Laune, wenn er/sie es schafft, die gewünschte Speise im Kampf gegen die um den Tisch sitzende Konkurrenz vor sich platziert zu bekommen, ohne dass da jemand gleich weiterdreht … Unglaublich, wie hungrige Leute (nach 23 Tagen Kreuzfahrt ???) sich total auf sich selbst konzentrieren können, wenn der eigene Magen nach Nachschub schreit …

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Es guets Nöis!

Wir sind seit vier Tagen in Bejing, Es war unheimlich viel los, wir fühlen uns internetmässig etwas isoliert … Aber heute Abend funktionieren wenigstens ein paar der von uns genutzten Dienste und darum packen wir die Gelegenheit und wünschen Euch allen von Herzen einen bombastischen Rutsch in ein gesundes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr! Morgen fliegen wir dann nachhause und in den kommenden Tagen werden wir Euch über unsere kalten Tage in China updaten … Prost, Salute, Santé, Cheers !!!

Nagasaki / Japan (26.12.2017)

Zutiefst berührend, unsere Tour durch Nagasaki, wo am 9. August 1945 um 11:02 die zweite Atombombe (nach Hiroshima) gezündet wurde … Der Friedenspark und das sehr gut erklärend eingerichtete Atombomben-Museum hinterlassen eine grosse Leere in uns, die Worte fehlen um die Empfindungen zu beschreiben …

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Unsere vier Tage in Japan waren spannend und lehrreich. Die bergige Landschaft, die oft steil aus dem Meer herausragt, war eine willkommene Abwechslung nach den flachen Deltaregionen des Mekong und Yangtse. Die daraus resultierende Enge ist überall spürbar. Die außerordentlich freundliche japanische Bevölkerung wirkt aber doch irgendwie reserviert oder vielleicht besser ausgedrückt scheu, die sehr korrekten Menschen sind klein und dünn und scheinen immer zu lächeln. Auch scheint es etwas einfacher geworden zu sein, englischsprachige Exemplare zu finden …

IMAG3773.jpgSeit gestern Nachmittag sind wir unterwegs südlich Korea umfahren über das Gelbe Meer zu unserer letzten Etappe in Peking …