Halbzeit

V / Gestern, gerade in Ushuaia/Argentinien angekommen, schlendere ich gemächlich über’s Pooldeck um einen Rundumblick zu starten. Auf einem Schiff rennt man nämlich nie. Man geht. Weit bin ich mit meinem Blick aber nicht  gekommen. Links von unserem Schiff liegt ein Gross-Katamaran und der brennt! Umgehend springen vier Menschen in das wirklich eiskalte Wasser und schwimmen vom Katamaran weg und verharren dann.  Besorgt sehe ich, dass noch weitere Menschen auf diesem Schiff sind. Ich gucke dann mal ein bisschen schärfer und irgendwie kommt mir das Feuer komisch vor. Zu orange. Kurz darauf kommen zwei Jet Skies angeratzt und zwei der im Wasser treibenden Menschen hängen sich hinten einfach an und werden abenteuerlich zum Hafen geschleift. Ein Löschschiff kommt ebenfalls und löscht und löscht. Die Hafenbehörden kommen auch und die anderen zwei Menschen werden auch noch gerettet. Gottseidank, es war nur eine Übung. Ich habe dann mit einem Offizier gesprochen und die grösste Angst der Besatzung ist immer, dass Feuer ausbricht. Und nicht dass das Essen für die Passagiere ausgeht. Ich meine dann, dass ich sicher nicht in dieses scheisskalte Wasser springen würde. Formvollendet sagt er, Madame wir sind hier ein Schiff das in so einem Fall vier Optionen anbietet. Erstens, wir haben Rettungsboote. Falls das nicht geht, haben sie die Wahl zwischen mit Rettungsweste in’s Wasser zu springen, zu verbrennen oder mit dem Schiff unter zu gehen und zu ersaufen. Ich glaube, er hat es nicht ganz so drastisch formuliert. Und meistens bist du dann nicht gerade in Hafennähe. Ich finde ja  die Auswahl nicht gerade prickelnd. Und Klaus, unser wunderbarer und unvergessener Hoteldirektor auf den Reisen, die wir mit Star Clippers gemacht haben, sagte mal: Vreni, wenn dieser Fall eintritt, dann wünschst du dir einfach ganz, ganz kaltes Gewässer. Dann geht das Ertrinken viel schneller als in der Südsee. Ich finde, das hat was. Jedenfalls war diese Übung sehr eindrücklich und das wird auch hier ständig geübt. Natürlich dann, wenn fast alle Gäste an Land sind. Wir wollen ja nicht erschreckt werden. Aber das nur nebenbei.

Ich reise ja.  Ich glaube, bis Coquimbo/Chile bin ich mit Euch gekommen. Nächster Tag statt Santiago de Chile San Antonio, und wieder mal keine Ahnung, was da war. Ich glaube, mich zu erinnern, dass ich mir frei genommen habe und nichts unternommen habe. Ich finde auf Rémy’s Blog einfach San Antonio nicht. Macht aber nichts, er datet Euch ja perfekt ab. Ich bin mehr so für die Details zuständig die keinen interessieren.

Dann cruisten wir einen Tag im Pazifik herum. Der Tag kam, der Tag ging. Aber in einem rasanten Tempo. Ab und zu müssen wir ja auch Bücher lesen, uns mit den wirklich netten Mitpassagieren unterhalten, essen, trinken und was man halt so macht.

Und jetzt muss ich leider schon wieder Schluss machen. Um 18.00 sind wir zu einer Tango-Show eingeladen worden. Nur für besonders treue Kunden. Ich muss nämlich noch duschen, die Haare waschen und mich aufmöbeln.

Aber ab übermorgen haben wir zwei Tage auf See. Und dann komme ich vielleicht endlich mal soweit, wie ich sein will!

Anmerkung Rémy 1: Vielleicht kommst Du soweit, wie Du dann wirklich bist 😂

Anmerkung Rémy 2 zum Titel: Es darf wohl mit Nachspielzeit gerechnet werden 😀

Durch den Beagle Kanal ans Ende der Welt

R / Nach einem ausgefüllten Tag in Punta Arenas (Da besteht ja eine lose Partnerschaft mit Sala Capriasca) lese ich zufällig (nachdem ich Vreni schon versprochen hatte, den Wecker abgestellt zu haben), dass um 06:30 weitere Gletscher entlang des Beagle-Kanals bewundert werden können – und so werde ich wieder aus dem Tiefschlaf gerissen, lasse Vreni diesmal aber weiterschlafen! (Sie hat ja auch schon mal einen Gletscher gesehen 😅 ).

Durch die chilenischen Fjorde und die Magellan-Strasse nach Punta Arenas

R / Es geht weiter nach Süden, nach Patagonien … zwei Tage lang durch endlose Fjorde mit von Gletschern rundgeschliffenen Hügeln, immer etwas karger werdender Vegetation, keiner Menschenseele weit und breit, keine Behausungen … Natur pur! Schön anzuschauen und den Gedanken freien Lauf zu lassen – aber kein Vergleich zur Wucht der spektakulären Fjorde in Norwegen. Das Wetter wechselte immer wieder, mal Regen, dann Sonne, viele hübsche Wolkenformationen und ziemlich windig und auch recht frisch.

Doch das Tagesprogramm am nächsten Morgen hat es dann in sich. Beim ersten Tageslicht (bei uns werden die Tage immer länger, je weiter wir nach Süden kommen) raus aus den warmen Federn und hinaus in den bissigen, kalten Wind: Ein eindrücklicher, direkt ins Meer führender Gletscher bereichert die Aussicht, die Passagiere sind hin und weg und füllen sämtliche Speichermedien.

Und dann, frühmorgens Ankunft in Punta Arenas an der breiten Magellan-Strasse. Da besteht eine lose Partnerschaft mit Sala Capriasca, eine Familie Lepori ist dahin ausgewandert und sie sollen bei einem Besuch vor ein paar Jahren in Sala sogar mit einem meiner Tessin-Bücher beschenkt worden sein! (Grazie mille Gemma!).

Das glaubt mir ja wohl niemand, aber ich habe mal den Sonnenaufgang erlebt … und das an Vreni’s Geburtstag!

Und gleich ging es los per Katamaran zu den Magellan-Pinguinen auf die Isla Madalena, einem Naturschutzgebiet mit einer ansehnlichen Kolonie dieser schwarz-weissen Tierchen, Tsunami wäre da überhaupt nicht aufgefallen und hätte sich sicher amüsiert!

Am Nachmittag begab ich mich noch ein wenig auf Spurensuche in der Stadt … und am Abend hiess es schon wieder Abschied nehmen. Wir verlassen Chile und nehmen Kurs auf Feuerland, ans Ende der Welt!

Und dann war da auch noch Thanksgiving … und da der beliebte US-Präsident gleich zwei Truthähne begnadigt hatte und wir das endlich mal als eine gute Tat seinerseits einstuften, taten wir es ihm gleich und wichen bei der Menüwahl aufs Alternativprogramm aus! Übrigens, der Patissier macht sensationelle Soufflées … hab schon alle durchprobiert!

Puerto Chacabuco – Parque Aiken del Sur

R / Vreni musste gespürt haben, dass das eine feuchte Sache werden könnte … war auch nicht so schwer, auf Regen zu tippen, er begleitete uns schon die ganze Zeit auf der Anfahrt nach Puerto Chacabuco, eigentlich nur der Hafen von Puerto Aisen, das seit einem Vulkanausbruch nun rund 10 km vom Meereszugang entfernt liegt … und entschied sich darum für einen Ruhetag auf der Mariner mit Aussicht auf viel grün und darüber grau und ein paar Lachsfarmen im Hintergrund.

Patagonia at its depths … war der Titel meiner heutigen Excursion auf einem gut angelegten Pfad durch den Privatpark. Paolo hat uns jeden Busch einzeln euphorisch vorgestellt (muss ein entfernter Verwandter vom Steinspezialisten Eddie sein!) und wir wurden nässer und nässer, was der guten Stimmung in der Gruppe aber überhaupt nicht zusetzte. Nach der Botanik (den Puma haben wir leider verpasst – oder vielleicht hat er uns verpasst? Oder gar nur verschont?) gab es auch Kulinarik im tollen Guesthouse am See: Asada, ganzes Lamm am offenen Feuer gebraten, eine der patagonischen Spezialitäten!

Puerto Montt – Volcán Osorno – Saltos del Rio Petrohué – Puerto Varas

R / Puerto Montt, tönt nicht gerade deutsch, obwohl die Siedlung von Deutschen Immigranten gegründet wurde und noch einiges an ihre alte Heimat erinnert: Die Architektur mit den Schindelhäusern, Anschriften wie Feuerwehr und überall wieder Kuchen – und unsere tour guide Ingrid gehörte auch noch dazu … Die Landschaft um den Lago Llanquihue mit vielen Farmen und Weiden sowie bester Lage für Wochenend- und Ferienhäuser der besser Betuchten mit Sicht auf die Vulkane Osorno und Calbuco war uns auch nicht besonders fremd, vor allem wohl auch, weil nach den Gegensätzen der Gebirgswüsten wieder grün die vorherrschende Farbe war. Das Wetter gab sich im Kontrast zur Vorhersage gnädig und wir durften die von Schnee und Gletschern bedeckten Vulkane fast ganz sehen, nur eine relativ dünne Wolkendecke lag über den nur rund 2500 m hohen Kraterrändern. Nach einem windigen Aufenthalt an der Skistation auf halber Höhe ging’s wieder talwärts zu den Saltos del Rio Petrohué, deren besonderer Reiz natürlich vom Osorno im Hinterrund ausgeht! Von Puerto Varas aus konnten wir gleich beide Vulkane bewundern – und nach einem kleinen Rundgang, bei dem wir auch wieder auf Zeichen der Demonstrationen stiessen, ging’s schon wieder zurück auf unser Schiff. Gemäss Ingrid finden zwar landesweit mehrheitlich friedliche Demonstrationszüge statt – aber das Leben geht recht normal weiter, nur sind wohl alle Banken und viele Läden (vor allem des gehobeneren Konsumententypen …) verbarikadiert und lediglich durch einen einzigen kontrollierten Eingang erreichbar.

Bei uns in Tesserete sieht es während des Carnevale auch nicht besser aus und wenn 50 idiotische Anhänger des FCZ oder des ZSC oder sonstige Hooligans zu einem Match ausrücken, steht mehr Polizei im Einsatz als wir das bisher zusammengenommen in halb Chile gesehen haben …

YES Coquimbo, YES Equi Valley, YES Pisco Sour, YES … Pisco in Coquimbo und Wein in Casablanca / Valparaiso (Chile)

R / Auf unserem heutigen Ausflug von Coquimbo ins Weinbaugebiet und Zentrum des Pisco, ins Elqui Valley, wurden wir von der Kindergärtnerin Paula begleitet. Sie erzählte uns schnell viel Wissenswertes über ihr Land. In gutem Englisch und ohne Kunstpausen … Dafür hauchte sie jedesmal zwischen zwei Sätzen ein YES ins Mikrophon 😂

Von Coquimbo aus führte uns erneut eine Busfahrt durch die Wüste, deren Talboden saftig grün leuchtete. Da wachsen Früchte und Gemüse und sehr viele Reben, deren Trauben zum Chilenischen (und wie wir bereits früher erfahren hatten auch Peruanischen) Nationalgetränk, dem Pisco verarbeitet werden. In einer grossen Destillerie im kleinen Dorf Vicunia im Elqui-Tal (da protestierten ein paar Jugendliche auf friedliche Art auf einer Bühne gegen die Ungerechtigkeiten in Chile, das gemäss NZZ im Brand stehen soll – die alte Tante ist auch nicht mehr, was sie mal war und druckt leider auch irgendwelche Meldungen kritiklos ab …) lernten wir da einiges dazu. Es handelt sich um einen Tresterbrand, zusammengesetzt aus fünf verschiedenen Rebsorten, allen voran drei verschiedenen Muskat-Trauben. Von den Einheimischen gerne pur getrunken ist er bei uns hauptsächlich als Cocktail, dem Pisco Sour beliebt. Der übliche Halt an einem handycraft market war wieder mal unnötig aber wenigstens kurz, die gegensätzlichen Eindrücke der uns fremden Landschaft faszinierten dafür umso mehr!

Weil wir von den kürzeren Touren des Typs ‚highlights of this city xxx‘ nicht viel halten, da man jedesmal den Hauptplatz, das Monument einer lokalhistorischen Grösse, das Regierungbebäude, die Stadtbibliothek (alles von aussen) und auch noch ein Allerweltsmuseum zu Gesicht bekommt, wählen wir vorzugsweise jeweils eine längere Tour ins Landesinnere. Das ist logischerweise mit Stunden im Bus verbunden, dafür ergibt sich ein Gefühl für Landschaft und Natur und oft auch für die Menschen, die da draussen leben.

Vreni zog es vor, zuhause auf dem Schiff zu bleiben, und ich begab mich auf Tour, um in Casablanca (das gibt es auch in Chile!) auf einem wunderschönen Weingut in die Geheimnisse des Einheimischen Schaffens einführen zu lassen. Und das hatte sich in sich. Eigentlich bin ich kein grosser Freund des Chardonnays, aber dieser hier war für mich sensationell. Den Carmenère kannte ich noch nicht, aber er überraschte mich angenehm. Der Cabernet Sauvignon war toll, wie auch der zur Vorspeise gereichte Sauvignon Blanc, gefolgt von einem ausgezeichneten Pinot Noir und zum angenommenen Schluss der Syrah! Weil an unserem 10er Tisch neben weiteren Schweizern auch Deutsche sassen, bezirzte ich die Sommelière, uns zu guter Letzt auch noch den Riesling zur Probe zu geben, zum grossen Erstaunen unserer Mitreisenden … Und das hat sich absolut gelohnt!

Die Weiter- und Stadtrundfahrt durch Valparaiso hätten wir uns locker sparen können … Das war vielleicht mal pittoresk, oder man müsste mit mehr Zeit auf Entdeckungsreise gehen können … Aber das was uns da geboten würde, war die Zeit nicht wert!

Dazu muss ich als Fotograf natürlich auch zugeben, dass man es mittels der Tourismuswerbung auch leicht erreichen kann, aus wenig etwas mehr zu schaffen und damit Erwartungen hochzuschrauben … 🤤🤔😢

Katastrophenalarm auf der Seven Seas Mariner

V / Heute gegen Mittag werden wir eindrücklich darauf hingewiesen, dass wir einige Probleme an Bord haben. Und dass wir uns alle 20 Sekunden die Hände zu waschen haben, zuzüglich das grauenhafte Zeug, Sanitizer genannt, einschmieren sollen, wann immer es geht. Also, es hat wieder angefangen. Natürlich ist eine allgemeine Hygiene an Bord total wichtig. Aber wenn ich ein öffentliches Klo an Bord benutze (übrigens immer piekfein und gründlich geputzt)  und auf meinem Klo höre, dass drei von vier Frauen sich die Hände nach dem Klogang nicht waschen. Was soll ich denn davon halten? Jedenfalls haben wir wieder etwas an Bord, was nicht erwünscht ist. Uns geht es aber ausgezeichnet. Dies aber nur nebenbei.

Denn  wir reisen ja. 17.11.2019; Pisco/Peru.  Remy hat einen Flug über Nazca gebucht. Da wo wahrscheinlich gemäss Erich von Däniken die Ausserirdischen waren und irgendwelche Zeichnungen in Stein gemeisselt haben. Und die sieht man halt nur von oben. Da wir aber so etwas wie eine königliche Familie sind, fliegen wir möglichst getrennt in so kleinen Kistchen. Wegen unserer Katzen. So halte ich mich sehr, sehr freiwillig zurück und besuche den Paracas National Reserve. Am Boden. Nicht atemberaubend, doch entspannend und schön. Pisco sour war aber bisher noch nicht.

Und dann endlich ein freier Tag. Wir haben aber extrem viel zu tun. Bücher warten und ausserdem müssen wir mal den Wäschesack füllen. Wir sind nämlich, seit wir an Bord sind, Platinium-Members. Und das heisst, Wäscheservice rund um die Uhr und kostenfrei. Und ich war so blöd, zuhause alles durchzuwaschen, und, für mich noch schlimmer, das ganze durchzubügeln. Dabei können sie das hier viel besser. Die kriegen hier Flecken raus, an denen ich daheim grandios gescheitert bin.

Der nächste Tag bringt uns nach Putre/Chile.  Allerdings habe ich in der Ausflugbeschreibung total überlesen, dass Putre auf rund 3600 Metern liegt. Und wir starten ja immer auf Meereshöhe. Und runter müssen wir ja auch wieder. Alle Ausflüge werden dir knapp 8 Monate vor der Reise auf deinen Account übermittelt, und dann hast du zu tun. Es sind pro Destination einfach so viele Ausflüge. Unterdessen erkennen wir aber ungefähr das, was wir uns erhoffen. Die Fahrt nach Putre ist sehr eindrücklich. Zuerst das ganze Anbaugebiet inmitten der Wüste für Obst und Gemüse. Da hast du schon Durchfall, wenn du all diese Zwiebeln siehst die hier angebaut werden Dann die wirkliche Wüste. Und dann geht es rauf in die Sierra nach Putre. Eben rund 3600 Meter hoch. Das Dorf war dann halt so, wie ein Dorf ist. Kirche und  Mittagessen. Ich wollte dann ein Glas Wein, der Chef an der Bar meinte 20 US Dollar, ich war für einen US  Dollar. Da war er dann auch zufrieden. Aber ich habe mir am Strassenrand einen schönen Pullover für 22 Dollar gekauft.  Und ich muss dem Buschauffeur von Herzen danken, er hat uns wieder heil auf Meereshöhe zurück gebracht. Es war eine ordentliche Hoch- und Runterschrauberei mit Bus. Und ich weiss nicht, wie vielen Bus-Chauffeuren wir schon unser Leben in die Hände gelegt haben und immer zuversichtlich waren, das wird schon klappen. Ausser in Ägypten. Da waren zwei Tote zu beklagen, aber unser Chauffeur war nicht schuld.

Und wenn ich das Programm lese, hatten wir danach wieder einen Tag frei. Und kurvten im Pazifik herum. Allerdings muss ich sagen, keine Erinnerung an diesen Tag. Ich habe ja auch viel aufzuholen. Ich bin immer schon da, wo ihr noch nicht seid.

Nächster Tag: Coquimbo, immer noch Chile. Ein schönes Tal, immer noch Wüste und Besuch einer Pisco Destillerie. Und ein wirklich netter Lunch. Das weiss ich noch, aber es ist mir ein Rätsel, was wir sonst noch gemacht haben Normalerweise kann ich mich an Remy`s Fotos orientieren. Und dann bin ich mir jeweils wieder sicher wo ich war. Aber das Internet hier ist sehr kompliziert und die schmeissen uns einfach nach Lust und Laune raus. Oder der Kapitän muss auch mal wissen, wo er ist. Remy gefällt das gar nicht. Auch er beklagt einen gewissen Rückstand. Es sammelt sich nämlich auch bei ihm einiges an.

Aber es geht uns sehr, sehr gut. Interessante und sehr nette Mitreisende und um spätestens 23.00 sind wir im Bettchen und freuen uns auf den nächsten Tag.

Die nächsten zwei Tage befahren wir die chilenischen Fjorde und dann werden wir versuchen den Rückstand aufholen. Vielleicht, so Internet will …..

Vom Individualisten zum Herdentier

V / Als wir gestern von unserem langen Ausflug nach Putre zurückkamen haben wir schön gelacht. Am Samstag, beim Kabinenbezug, waren wir gelinde gesagt nicht so erfreut über den Zustand unserer Behausung für die nächsten vier Wochen. Der Teppich war in Balkonnähe voller Flecken. Wir haben zwar die vielen redlichen Bemühungen zur Fleckenentfernung gesehen aber so richtig toll sah das nicht aus. Statt blau war der Teppich von dunkelweiss, mittelweiss bis hellweiss alles. Nur nicht blau. Und der Teppich ist nun mal blau. Die haben sicher 10 Liter Javelwasser über die Flecken geschüttet. In der Hoffnung, die Flecken verschwinden dann. Vermute ich mal. Auch konnte man ein Schränkchen nicht mehr schliessen. Keine Ahnung, was unsere Vorbewohner in der Kabine alles so gemacht haben. Man will es eigentlich auch gar nicht  genau wissen. Pem, unsere Zimmerverantwortliche, kam dann angeeilt und ich deutete nur stumm auf den Teppich und den Schrank und Pem verstand, dass ich so nicht very happy bin. Und gestern, als wir völlig k.o. von unserem Ausflug zurückkamen mussten wir eben sehr lachen. Die haben doch tatsächlich einfach das Stück Teppich rausgeschnitten und ein neues Stück Teppich reingeklebt. Jetzt haben wir hellblau und dunkelblau. Wahrscheinlich haben wir jetzt eine Designerkabine. Auf die Reparatur des Schränkchen warte ich noch, werde aber stündlich darüber informiert, wie der Stand der Dinge ist. Na ja, für mich ist ein Scharnier ein Scharnier. Und das kann man einfach wechseln. Aber vielleicht sehe ich das zu einfach.  Aber das nur nebenbei.

Eigentlich sind wir ja auf Reisen. Und da muss ich ja auch mal vorwärts kommen.

Die Ankunft in Lima war plangemäss und die Behörden liessen uns anstandslos einwandern. Das Country Club Lima Hotel ist superschön und nach einer halben Nacht nehmen wir die Eroberung der Stadt in Angriff. Lima im November sieht aus wie Zürich im November. Grau, aber viel feuchter. Das hat mit dem Pazifik zu tun. Die Sonne wird hier erst im Dezember zurückerwartet. So laufen wir Richtung Meer und der Verkehr und das Gehupe machen mich etwas gaga. Der Meerpromenade entlang ist es aber schön und ruhig.  Ausser Mittag- und Abendessen haben wir nicht viel gemacht. Man muss ja zuerst einmal ankommen. Am nächsten Tag Stadtrundfahrt. Für 35 Minuten Kathedrale samt Hauptplatz besuchen standen wir 3,5 Stunden im Stau. Die Menschen hier brauchen keine Wohnungen. Wenn sie nach der Arbeit endlich zuhause angekommen sind, können sie gleich wieder los um am Morgen pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Und das war es eigentlich schon von Lima. Ausser, dass die Menschen hier total freundlich und hilfsbereit sind. Auch wenn wir uns sprachlich nicht immer verstehen, wir haben uns immer verstanden.

Sehr früh am nächsten Tag mutieren wir zum Herdentier und unser Schäferhund heisst Marisol. Sie wird uns möglichst vollzählig nach Cusco bringen. Die Herde umfasst 32 Schafe und wir werden in zwei Gruppen zu je 16 aufgeteilt. Also sehr übersichtlich.

Ausser einem Ehepaar aus der Schweiz mit einer Riesentasche hatten alle nur Handgepäck dabei. Reicht ja auch für zwei Nächte. Aber die Tasche musste natürlich eingecheckt werden. Und man glaubt es nicht, jetzt checkten alle ausser Marisol und Steineggers ihr Handgepäck auch ein. Und Lima Airport ist sehr busy. Marisol schaute mich verzweifelt an, ich zuckte nur ergeben mit den Schultern und meinte, Herdenverhalten. Aber der Flug nach Cusco glückte und Marisol übergab uns an unsere Tourguides. Wir bekommen Eddie und Eddie ist ein Glücksfall. Und dann muss ich dazu noch sagen, Cusco liegt auf rund 3500 Metern und gestartet sind wir auf Meereshöhe. So beobachtet uns Eddie sehr genau, denn wir sind ja alle nicht mehr sehr jugendlich und wies uns drauf hin, bei Kopfweh sich sofort zu melden. Und Wasser trinken, Wasser trinken und Wasser trinken. Wir überstehen dann den Lunch, eine unglaubliche Kathedrale und noch ein paar Sachen mehr unbeschadet und beziehen unser Quartier. Da waren wir alle von den Socken. Ein umgebautes Kloster. Total abgefahren, das kann man gar nicht beschreiben. Abendessen mit einer Liveband, also einer Opernsängerin und zwei Gehilfen. Da konnte man sich zwar nicht mehr so gut unterhalten. Aber das war egal, die Höhe hat uns alle sehr müde gemacht.

Am nächsten Tag dann ab auf den wundervollen Zug nach Aguas Caliente. Den Hiram Bingham. Mit Barwagen, offenem Aussichtswagen, wieder Livemusik, diese Mal viel moderner und hervorragendem Essen. Leider hat die Fahrt nur 3,5 Stunden gedauert. Immerhin konnten wir 1000 Höhenmeter wieder hinunter. Busfahrt zum Machu Picchu und dann haben wir Eddie in Höchstform erlebt. Er liebt jeden Stein dort und es hat sehr viele davon. Er erklärte uns auch fast alle. Der Blick am Anfang der Tour über die ganze Anlage ist unglaublich. Die Inkas konnten bauen. Bei uns fallen Häuser ja manchmal schon nach 50 Jahren um.

Am Schluss der vierstündigen Wanderung waren wir k.o. Eine weitere Zug- und Busfahrt bringen uns dann wieder 1000 Meter höher nach Cusco in unser Klosterhotel. Aperitif vor einem brennenden Kamin. Also das Holz hat gebrannt, nicht der Kamin und wahrscheinlich  haben wir auch noch gegessen. Ich erinnere mich nicht mehr.

Frühes Aufstehen am nächsten Tag und Flug zurück nach Lima. Wieder auf Meereshöhe. Die Meereshöhe brauchen wir nämlich. Also, vor allem unser Schiff, denn die Seven Seas Mariner hätte sonst Probleme. Und Marisol hat ihre Herde vollzählig zurückgebracht. Grosses Aufatmen. Obwohl, wir sehen das nicht so eng. Ein bisschen Schwund ist immer.

Und jetzt beginnt die Cruise. Ich bin allerdings schon eine Woche weiter als Ihr. Aber hier kommt man zu nichts. Hier wird man auf Trab gehalten.

Arica – Putre / Chile

So schnell geht es … Eben in Peru angekommen haben wir das spannende Land schon wieder verlassen und sind in Arica, ganz im chilenischen Norden angekommen. Jessica, unser heutige tour guide, erzählte uns aber, dass man sich hier halb/halb fühle. Und Bolivien ist auch nicht weit: Die Geleise der vor wenigen Jahren eingestellten Eisenbahnlinie von Arica nach La Paz haben wir gesehen. Aber der als Wiedergutmachung im Anschluss an den Salpeterkrieg gewährte Zugang zu Pazifik besteht heute aus einer gut ausgebauten Strasse durch die fantastische, abwechslungsreiche Gebirgswüste, auf der uns unser Ausflug heute ins auf 3600 m.ü.M. liegende Putre brachte. Da gab es eine gut behütete Kirche zu besichtigen … Die Busfahrt war lang, aber die Eindrücke dieser uns so fremdem Bergwelt waren es Wert! Frucht- und Gemüsekulturen mitten in der Wüste, bis 600 Jahre alte Kakteen (Sie wachsen 1 cm / Jahr), Mate im Restaurant Internacional als Stärkung und gegen eventuelle Höhenkrankheit, fröhliche Souvenierverkäuferinnen, skeptisch dreinblickende Touristenbebachter – und vieles mehr werden uns in Erinnerung bleiben!

Nazca Lines overflight

Nach einer ersten Nacht auf der Mariner hiess es bereits wieder früh aufstehen … Ausflug im wahrsten Sinne: Nazca Lines overflight mit Start auf dem Pisco International Airport ist angesagt. Da standen aber lediglich ein paar maximal 10-Plätzer und alle mit dem selben Ziel: Die Nazca Linien aus der Zeit der Paracas-Kultur (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Nazca-Linien). Der Flug über Wüste und Farmland war sehr schön, die Figuren und Linien, die die Natur geschaffen hat, haben mir allerdings besser gefallen, als das eigentliche Ziel der Exkursion … Weltkulturerbe, ja. Aber viel davon gesehen hat man nicht wirklich, zuviele andere Spuren drum herum, das Flugzeugfenster war auch nicht wirklich zum Fotografieren gemacht … (Da bin ich vielleicht zu sehr verwöhnt durch meine Privatflüge mit offenem Fenster und Meisterpilot Ernesto am Steuerknüppel!). Interessant war’s trotzdem, wenn auch massiv überteuert und für mich etwas zuviel Erich von Däniken. Sucht Euch die Nazca Linien selber auf meinen Bildern …