Vreni’s last update: Wenn die Nacht zum Tag wird ……

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…… dann hast du entweder einen Beruf der das erfordert, oder du hast den totalen Jetlag. Bei mir und Rémy ist es der ultimative  Jetlag. Zehn Stunden Zeitunterschied kannst du in unserem Alter einfach nicht mehr so wegstecken. Wir sind zwar wieder zuhause, aber zeitmässig noch sehr am Üben.

Aber rein reisemässig seid Ihr noch lange nicht da, wo ich schon bin. Also wie immer schön der Reihe nach.

Geelong haben wir geschafft und ich freue mich auf den morgigen Seetag. Endlich wieder mal frei. Es gibt ja viele Passagiere, denen das nackte Entsetzen kommt, wenn sie das Wort Seetag hören. Nur, wenn du die Meere bereisen willst, kommt halt ab und zu so ein Tag vor. Das Meer ist nämlich sehr gross.

Und das Programm an so einem Seetag ist unglaublich. Die Schiffsleitung will ja schliesslich nicht, dass du gelangweilt herumhängst. Ich mache jeweils nichts, ausser mein geliebtes Puzzle, herumschwatzen, herumtrinken, lesen und essen. Aber leider haben sie uns unseren Puzzletisch abgeräumt. Irgendwie haben ein paar Passagiere eine extrem erhöhte Darmtätigkeit und dann ist auf einem Schiff der Teufel los. Alarmstufe Rot. Wir müssen vor Betreten jeder Futterstation immer die Hände mit so einem grässlichen Gel einreiben. Und alle Spiele, die mit direktem Körperkontakt verbunden sind, werden ersatzlos gestrichen. Und dazu gehört leider unser Puzzletisch. Wir sind ungefähr dreissig Hartgesottene, die sich an so einem Puzzle unglaublich vergnügen. Und im Moment haben wir ein richtig schwieriges Puzzle zu bewältigen. Und alle fassen natürlich dieselben Teile an und  nach jedem gefundenen Teil machen wir give me five. Das ist für die Gesundheitsdirektion hier leider zu viel sozialer Kontakt. Auch Händeschütteln darf man nicht mehr. So gucken wir uns halt tief in die Augen.

Nächster Tag Eden, immer noch Australien. Und, oh Überraschung! Wir können wegen der starken Dünung nicht tendern. Also kein Landausflug. Das weiss ich aber schon seit gestern Nacht. Ich war mutterseelenallein auf dem Pooldeck um noch eine Zigarette zu rauchen und ein Offizier will auch rauchen und bringt mir schonend bei, dass Eden wohl gestrichen wird. Ich habe ihn nur angestrahlt und gemeint, dass das wunderbar in mein Programm passt. Ich habe nämlich das Kontingent aller mir zustehenden Buskilometer für dieses Jahr schon  absolviert.

Also, noch ein freier Tag bis Sydney. Sehr schön. Obwohl, als wir nach dem Frühstück in unsere Kabine gehen um Bücher zu holen oder was weiss ich was zu machen, liegen auf unserem Bett unsere Koffer. Unmissverständlich wird dir so klargemacht: Pack mal schön deine Sachen und mach dich vom Acker. Rémy und ich gehören zur Kategorie, wer zuletzt packt, dem gehört noch der ganze Tag. Und da der Tag sinnvoll genutzt werden muss, wandern wir zum schiffseigenen Reisebüro und buchen unsere nächste Reise. Leider müssen wir nach dem Abendessen dann doch packen. Um elf Uhr nachts muss nämlich auch unser  grosses Gepäck vor der Kabine stehen. Sonst schleppst du selber.

Ankunft Sydney in aller Herrgottsfrühe. Und wir schaffen es, pünktlich aufzustehen. Denn die Einfahrt ist spektakulär. Haarscharf an der Oper vorbei.  Ausserdem dürfen wir im Stadthafen parkieren und da hat nur ein Schiff Platz. Fast direkt bei der Brücke und gegenüber der Oper. Mit dieser grandiosen Aussicht mümmeln wir ohne grosse Freude unser letztes Frühstück auf der Veranda. Der Champagner hilft nur bedingt gegen den Blues.

Abgeholt werden wir von Freunden. Lynda und Geoff, bei denen wir die nächsten drei Tage wohnen werden. Und statt dem Meeresrauschen rauscht nun für die nächsten drei Tage ein unglaublicher Verkehrslärm.

Lynda und Geoff kümmern sich sehr liebevoll um uns, obwohl wir es geschafft haben, ihre sehr aufgeräumte Wohnung in zehn Minuten extrem zu verändern. Wir müllen alles zu. Ist ja auch ein bisschen viel Gepäck für drei Tage. Und unser aller Lebensstil passt hervorragend zusammen. Und das heisst für die erste Stunde am Morgen: Sprich! Mich! Nicht! An!! So sitzen wir jeweils einträchtig und stumm auf den Sofas und jeder starrt in sein wie immer geartetes Gerät. Und macht das, was er für sinnvoll hält.

Und sie zeigen uns die Blue Mountains, sind an einem tollen New Orleans Jazz Gig. Geoff ist nämlich Musiker, Trompete und Gesang. Und der Bandleader dieser Gruppe. Wir besuchen einen wirklich gut gemachten Wildlife Park. Jetzt kennen wir alle Viecher dieses Kontinents. Wir haben in der Bucht Fish and Chips gegessen. Und, und, und….. Sie haben alles gegeben und obwohl ich ein absoluter Hotelmensch bin, es hat mir gefallen. Ich bin aber immer noch ein Hotelmensch.

Nun, alles hat ein Ende. So bringt uns Lynda zum Flughafen und unsere sehr lange Heimreise beginnt. Fliegen heutzutage ist echt mühsam. Ich weiss nicht, wie viele Male wir durch irgendeinen Sicherheitscheck müssen und sie uns scannen. Laptop raus, Flüssigkeiten raus, elektronische Geräte raus aus dem Handgepäck. Jacken und Pullover ausziehen. Eigenartigerweise dürfen wir unsere Schuhe immer anbehalten.

Erste Etappe, Sydney-Guangzhou, China. Wir fliegen mit China Southern Airlines. Sehr angenehmer Flug, obwohl sehr lange. Wieder Sicherheitscheck. Minus zwei Feuerzeuge. Aber sie haben ein Herz für Raucher. In der Raucherlounge hat es so einen Apparat, da steckst du deine Zigarette hinein und dann brennt sie. Aber Vreni hat immer Streichhölzer dabei. Die nehmen sie dir nie weg. Ich bin sehr reisegeübt. Dann Guangzhou-Amsterdam, immer noch mit China Southern. Noch längerer Flug. Und wieder sehr, sehr angenehm. Ein paar Filme angeschaut, echt gut gegessen, sogar etwas geschlafen. In Amsterdam eine weitere sportliche Höchstleistung vollbracht. In der Disziplin Spurt durch einen Flughafen bin ich langsam sehr geübt. Ich werde nie mehr Flüge mit einer Umsteigezeit unter zwei Stunden buchen. Aber wenigstens habe ich mein Fitnessprogramm für dieses Jahr auch hinter mir. Halleluja!  Amsterdam-Zürich verläuft reibungslos. In Zürich treffen wir dann Rémy’s Mama und Evi. Und hängen total in den Seilen, praktisch schon ausgezählt. Wir waren fast zwei Tage unterwegs. Und die zehn Stunden Zeitdifferenz schleckt auch keine Geiss weg. Meine Geiss jedenfalls nicht. Der Flug nach Lugano ist dann wirklich nur noch ein Hüpferchen und Gianni steht pünktlich am Flugplatz um uns nach Hause zu bringen. Erzählt, dass er unsere Heizung etwas auf Vordermann bringen musste, neues Expansionsgefäss. Weil Elisabeth, die beste Katzenmama und unglaublich gute Weihnachtsguetzlibäckerin, aber auch liebe, liebe Freundin ihn angerufen hat, dass irgendwas in diesem, unserem Haus nicht mehr stimmt. Trudi hat für uns eingekauft, damit wir kalorientechnisch ausgerüstet sind und Marlis und Ernesto empfangen uns mit einer wunderschönen Orchidee. Wir danken Euch allen von Herzen, dass Ihr es uns immer wieder ermöglicht, ein längeres Time out zu nehmen. Und das geht ohne Eure Mithilfe einfach nicht. Grazie di cuore!

Und Rémy, es waren wunderbare fünf Wochen mit Dir zusammen. Der Alltag zuhause ist ja oft anders. Und Ich brauche immer Zeit, Raum und Luft für mich alleine. Ich danke Dir dafür, dass Du mich leben lässt, wie ich es für mich richtig finde. O.k. Du darfst auch leben wie Du willst. Aber das weisst Du ja.

Wir danken Euch allen für Eure Feedbacks, in welcher Form auch immer. Es hat uns immer riesig gefreut von Euch zu hören, besser gesagt zu lesen.

So wünschen wir Euch ein freundliches und schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein neues Jahr. Was immer es uns bringen wird. Wir werden sehen…..

Auf zu neuen Ufern!

Vreni und Rémy

 

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