Es geht immer weiter … (by Vreni)

Während wir gestern Abend friedlich unsere Drinks in der Horizonbar abgearbeitet haben, findet auf dem Pooldeck eine Helikopterrettung für einen unserer Mitpassagiere in Not statt. Das ist fünf Decks über uns und wir haben nichts mitgekriegt. Unglaublich, immerhin müssen sie das ganze Pooldeck von Liegestühlen, Tischen, Stühlen und was da sonst noch steht räumen, der Arzt wird dann aufs Deck abgeseilt, der Patient in’s Netz geladen und ab geht’s. Der Lärm des Helikopters war scheinbar ohrenbetäubend und wir hocken einfach ein paar Meter unterhalb, sind guter Dinge und hören nichts.

Aber das war gestern Abend und mit Euch bin ich erst an den neuseeländischen Fjorden. Am späteren Morgen erster Fjord, Duskey Fjord. Das Wetter ist nicht so atemberaubend, aber Rémy und ich sind immer very clever. Wir haben uns schon rechtzeitig einen Fensterplatz in der Observation Lounge gesichert. Und dann geht die Post ab, ungefähr fünfhundert Mitpassagiere wollen auch in diese Lounge. Wir begucken diesen Fjord und begucken auch den nächsten, den Doubtful Fjord. Vom Sessel geworfen haben mich die beiden aber nicht.

Der dritte Fjord war dann grosses Kino. Milford Sound. Bei strahlendem Sonnenschein und viel, viel Wind. Überhaupt, in Neuseeland windet es unglaublich, da musst du ein gewisses Grundgewicht haben damit du nicht weggeblasen wirst. Rémy arbeitet sehr intensiv an diesem Gewicht.

Nächster Tag Tasmanien: Ausflug „The Majestic Cradle Mountain“. Lange Busfahrt um dahin zu gelangen. Es ist ein See und dahinter hat es ein paar Berge. Meine Mitreisenden sind ausser sich vor Freude. O.k. Aber ich habe schon ganz andere Berge gesehen. Trotzdem, es ist ein schöner Ausflug, nur habe ich langsam eine Busallergie.

Dann zwei Tage Melbourne. Der erste Tag ist sehr erholsam. Wir sind mit Puffing Billy unterwegs. Puffing Billy ist eine antike Dampfbahn und führt uns durch eine wunderschöne Landschaft. Mit Billy wäre ich bis nach Hause gereist. Aber Billy will nicht. Muss ich halt so akzeptieren.

Zweiter Tag Melbourn: Past and Present. Auf Deutsch, die kurven dich durch die Stadt und erklären dir was da so war und jetzt ist. Auf dem Eureka Skydeck 88 sind wir auch, tolle Aussicht und ein absolut empfehlenswertes Klo. Ich glaube, mein nächstes Projekt, wenn ich nächstes Jahr in Ehren pensioniert werde, ist ein Kloführer.

Unsere Reiseleiterin, sicher über achtzig, gehört eher der Vergangenheit an. Bei allem was sie so erklärt kommt am Schluss immer: ich bin mir zwar nicht sicher oder ich glaube, dass es so war oder so ist. Auch sonst hat sie viele, sehr originelle Ideen. Unser Busfahrer Nathan muss ab und zu eingreifen und gewisse Sachen richtigstellen. Beim Botanischen Garten geben wir auf und verlassen die Truppe. Wir haben dann selbständig und ohne konfuse Erklärungen dort den Shrine of Remeberance gefunden und angeschaut. Ist eines der grössten Kriegsdenkmäler in Australien. Der Botanische Garten ist dann unserem Durst und Hunger zum Opfer gefallen. Jeder muss Opfer bringen, und sei es ein botanischer Garten. Aber nicht immer wir! So finden wir am Yarra River ein unglaublich belebtes und lautes Lokal. Essen Austern, also nur Rémy und Fish and Chips. Die besten, die ich je hatte. Anschliessend auf zum Riesenrad. Weil, ich habe einen Knall. Überall wo wir sind muss ich auf den höchsten Turm und falls vorhanden mit einem Riesenrad eine Runde drehen. Erst dann kannst du überhaupt die Grösse einer Stadt erfassen. Der Rückweg mit ÖV zum Hafen ist dann etwas beschwerlich. Remy ist ziemlich angepisst, weil er mich nicht auf dem kürzesten Weg zum Schiff bringen kann. Für einen Orientierungsläufer ist das eine Frage der Ehre. Aber das Bus- und Tramsystem ist sehr undurchschaubar. Ich hätte es auch nicht gecheckt. Nach mehreren vergeblichen Tramfahrten, am Schluss sind wir immer am selben Ort gelandet, habe ich dann die Handbremse gezogen. Weil, das ist eine ganz normale Stadt, nur etwas grösser als Lugano und da fahren Taxis. Der erste Driver will nicht, weil Feierabend. Der zweite hat gesagt, kostet Zwanzig Aussie-Dollars. Da sitze ich schon im Taxi. Habe zwar keine Ahnung was so ein Aussie-Dollar wert ist, aber das ist mir momentan auch scheissegal, ich will einfach nach Hause. Auch der Driver googelt dann mal, wo der Hafen überhaubt ist. Und hat ihn auch gefunden! Melbourne ist eine wunderbare Stadt. Gerne wieder!

Nächster Tag Geelong: Ausflug Treetop Walk und Great Ocean Road. Also ab in den Bus. Wir fahren endlos durch die Gegend. Aber da ist einfach nichts. Steppe links, Steppe rechts. Ab und zu ein Baum und ein paar Strohballen. Der Reiseleiter gibt sein Bestes und erklärt dieses Nichts sehr, sehr ausführlich. Trotzdem schlafen ihm die Reiseteilnehmer weg. Warum ich das weiss? Normalerweise, wenn ein Reiseleiter sagt, meine Damen und Herren, zur Linken sehen sie dies und das, wusch, alle Köpfe nach links. Hier bewegt sich aber nichts mehr. Nach anderthalb Stunden Steppe kommen dann Millionen von Eukaliptusbäumen und Föhren. Ich bin auch langsam am Ende. Rémy schläft schon lange. Der Regenwald ist dann wirklich schön, aber es hat mich niemand instruiert, dass der interessante Teil in für mich schwindelerregenden Höhen stattfindet. Aber ich habe auch diesen Regenwald geschafft, fragt mich bitte nicht wie. Ich habe schon viele Regenwälder absolviert, aber bei allen anderen konnte ich einfach normal auf dem Boden herumlatschen.

Fazit: Wir sind sieben Stunden Bus gefahren um anderthalb Stunden Regenwald zu sehen.

Nun sind wir auf dem Weg nach Eden, und übermorgen werden wir leider schon in Sydney ankommen. Also ist das der letzte Bericht von Bord. Den allerletzten Bericht werde ich schon zu Hause schreiben. Dann habt Ihr endlich Ruhe.

Aber, freut Euch nicht zu früh. Die nächste Reise haben wir schon gebucht. Es geht immer weiter…..

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