Unaufgeregte Zeiten … (by Vreni)

Da sitze ich nun und ein leeres, weisses Blatt virtuelles Papier starrt mich an. Ich starre zurück. Der Cursor blinkt unerbittlich und sagt, schreib was. Würde ich ja gerne tun, aber es fällt mir einfach nichts ein. Das Meer plätschert vor sich hin, die Gespräche an den umliegenden Tischen und Liegestühlen plätschern vor sich hin und an meinem Ohr vorbei. Nur in meinem Hirn da plätschert nichts mehr. Nicht mal die Hirnflüssigkeit, sofern die noch vorhanden ist. Ich bin nach diesen letzten, sich in blau auflösenden, völlig unaufgeregten Tagen extrem tiefenentspannt. Ich muss nicht mal mehr sagen, was ich gerne trinken möchte. Jeder Kellner auf diesem Schiff weiss, um welche Uhrzeit Madame was genau trinkt. Hätte ich mal einen anderen Wunsch, sie würden völlig aus dem Takt geraten. Und das tue ich dieser unglaublich netten und fürsorglichen Crew nicht an.

Aber wo waren wir eigentlich. Samoa. Die nächste Landberührung: Fiji Islands. Zuerst Suva am nächsten Tag Lautoka. In Suva haben wir das Schiff gegen ein Langboot ausgetauscht und auf dem Navua River (Süsswasser, welch nette Abwechslung!!) eine wunderbare Flusskreuzfahrt unbeschadet überstanden. Mit Rettungswesten natürlich. Zwischenhalt an einem Wasserfall wo man auch baden kann. Rémy ist begeistert. Ich habe dann nicht gebadet. Mich aber bei all unseren Guides und Bootsführern unglaublich beliebt gemacht. Die rauchen mir einfach alles weg, was ich dabei habe. Und ein echter Raucher hat genug dabei. Völlig hin sind sie von meinem Taschenaschenbecher.

Anschliessend besuchen wir ein weiteres Village und die Kokosnusstour ist sehr einfach gehalten. Für einen Dollar schnappen wir uns ohne weitere Erklärungen so eine Nuss und trinken sie einfach leer. Das Lunchbuffet ist wunderbar und die anschliessenden Gesänge und Stammesrituale haben sie gut hingekriegt. Nur, was das unglaubliche Cava-Ritual ist, erschliesst sich mir nicht wirklich. Rémy hat das Ganze ja auf unserem Blog in etwa erklärt. Aber ich glaube, er hat es auch nicht begriffen.

Kaum im Bus auf dem Weg zurück nach Suva regnet es. Suva bei schönem Wetter geht ja noch irgendwie, ist aber bei Regen einfach trostlos. Wieder am Hafen angekommen: Der Regen wird umgehend abgestellt. Schliesslich wollen total gepamperte Regent Gäste das Schiff trockenen Fusses erreichen. Und ein paar Schritte muss man immer machen, oder man wird nie Festland betreten.

In der Nacht driften wir nach Lautoka. Immer noch Fidschi. Rémy begibt sich zu seinem Schnorchelausflug. Ich glaube, es hat ihm gefallen. Ich habe frei aber keine Ahnung mehr, wie ich den Tag verbracht habe.

Nur, ich kann euch sagen: Falls ihr es aus unerfindlichen Gründen nie nach Fidschi geschafft habt, macht nix. Es würde euer Leben nicht wirklich bereichern.

Dann zwei Seetage. Am ersten Tag hat es mich fast von Bord gewindet, als ich das Pooldeck für meinen Morgenkaffee betrete. Und die Temperatur ist sicher um zehn Grad gefallen. Für uns irgendwie paradox. Je weiter nach Süden, je kühler wird es. Aber der Äquator funktioniert in beide Richtungen. Vom zweiten Tag auf See habe ich auch keine Erinnerung mehr. Wahrscheinlich kam der Tag und er ging.

Am nächsten Tag Besuch auf Norfolk Island. Australien. Mit dem ganzen Einwanderungsbrimborium. Um 07.00 haben wir den Kapitän in unserer Kabine. Nur rein akustisch natürlich. Und er teilt uns mit, dass wir uns Norfolk Island einfach im Internet anschauen sollen. Denn eine Anlandung mit Tenderbooten sei aufgrund des hohen Wellenganges schlichtweg nicht möglich. Sie hätten alles versucht. Und entschuldigt sich etwa zwanzig Mal. Ist ja schon gut. Dann lass mich einfach weiterschlafen! Aber auch der Cruise Director muss dann noch seinen ganzen Senf dazu geben. Und sich auch noch weiter entschuldigen. Dann bin ich dann endgültig wach und freue mich, keine Einwanderung machen zu müssen und auf einen weiteren freien Tag. Somit haben wir weitere zwei Tage auf See bevor wir in Auckland ankommen werden.

Und heute habe ich auch noch Geburtstag. Aber sicher bin ich mir nicht ob das nicht gestern war oder morgen ist. Ist auch egal. Hauptsache mich gibt’s noch. Oder doch nicht? Gestern, als ich mal die Kabine besuchte, lag da ein netter Brief der Schiffsleitung. Dass sie sich für meinen Aufenthalt hier bedanken, dass mein Kofferanhänger zwecks Ausschiffung in Auckland beiliegt und sie sich freuen, wenn ich mal wiederkäme. Wohlgemerkt, das Schreiben war nur an Mrs. Verena Steinegger gerichtet. Ich fand das schon etwas extrem. Rémy kann mir ja sagen, wenn ich ihm total auf die Nerven gehe. Sofort zur Réception gewalkt und gesagt, so geht das nicht. Ich bleibe! Wieder mal Stirnrunzeln und ratloses Schweigen und die Zusage, dass ich bis Sydney bleiben darf. Warum ich dann abends ein weiteres, formvollendetes Schreiben vorfinde: Sie können Ihren Pass dann morgen von 10.00 a.m. bis 11.00 a.m abholen, weiss ich nicht. Und ich will es auch gar nicht wissen. Ich will schon so viel nicht mehr wissen.

Seit dem Tag, der auf wundersame Weise einfach verschwunden ist, geben die uns täglich mal eine Stunde dazu und nehmen sie am nächsten Tag dann wieder weg. Und dann kriegen wir sie wieder und so fort. Ich glaube, die Zeitzonen hier sind sehr kompliziert. Mein iPod ist jedenfalls heillos überfordert. Und Rémy’s Handy auch.

Heute, laut Programm ist es der 29. November 2018 (wenn es denn stimmt, aber auch das wollen wir schon gar nicht mehr so genau wissen) ist es unglaublich ruhig an Bord. Viele Mitpassagiere sind am Packen, denn morgen in Auckland endet ihre Reise. Die einen sind in Honolulu zugestiegen, andere sogar schon in Miami. Andere mit uns in Papeete. Ein Schiff, das Weltreisen macht ist nichts anderes als ein Hopp-on Hopp-off Bus. Du steigst irgendwo ein und irgendwo auch wieder aus. Eigentlich hätten wir unser Projekt „Einmal die Erde mit Schiff umrunden“ auch fadengerade in ungefähr einhundertdreissig Tagen absolvieren können. Aber das wäre uns dann doch echt zu viel. Sich jedes Jahr auf eine Reise zu freuen ist viel, viel besser. Und noch nicht abgeschlossene Projekte halten einen am Laufen. Weil, man hat ja noch viel vor.



Und so sieht das aus, wenn Vreni nichts zu Schreiben einfällt …

2 Gedanken zu “Unaufgeregte Zeiten … (by Vreni)

  1. Vielen Dank, liebe Vreni, für Deine tollen Berichte. Ihr scheint ja eine grossartige Zeit zu erleben, auch wenn bei Euch nicht so viel Betrieb herrscht wie auf früheren Reisen, soweit ich mich erinnere. Tut ja auch gut!

    Wir gratulieren Dir von Herzen zum Geburtstag – ist auf einer Schiffsreise immer besonders schön: da gibt es doch jeweils die Torte mit Feuerwerk und dem Häppbörsdei-Gemöhne von der Crew und allen Mitpassagieren. Muss unglaublich sein – mir sträuben sich die Nackenhaare vor Begeisterung. Und vor Mitleid!
    Ein lieber Gruss auch an Rémy, auch von Eva. In Vorfreude auf Deinen nächsten Bericht,
    Christoph

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    • Danke Euch, die Ihr zuhause die Stellung hält! Und keine Angst, hier hat man noch Respekt gegenüber den Gästen, ohne besonderen Wunsch in diese Richtung wird hier niemand belästigt! Und was in Bezug aufs Feuerwerk hier abgeht, habt Ihr bei Vreni schon nachlesen können! Unser Tagesprogramm ist jetzt bedeutend intensiver geworden, Wir kämpfen in Neuseeland gegen den nicht existierenden Klimawandel … Cari saluti, Rémy & Vreni

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