Auf der Jagd nach Flugzeugen und Koffern (by Vreni)

Eigentlich war alles ganz einfach: wir fliegen von Lugano nach Zürich. Dort mit meiner Schwester und meinem Schwager etwas essen. Weiter nach Paris, Los Angeles und Papeete. Alles perfekt geplant und mit genügend Umsteigezeiten. Morgens um acht erstes e-mail von Swiss: Es wird dringend geraten, den Zug nach Zürich zu nehmen. Nebel über Lugano-Agno. Da wir Lugano-Agno von uns aus sehen, gucken wir mal runter. Ja, da liegt schon was rum, aber das wird sich dann schon verflüchtigen. Schliesslich war es der erste schöne Tag nach 18 Tagen Regen. Und unser Flug geht ja erst um 10.30 Uhr. 08.45 zweites mail von Swiss: der Flug wird gestrichen. O.k. Macht nichts, nehmen wir den Zug. Zeit haben wir, wenn auch das Treffen mit meiner Familie leider dran glauben muss.

Und mit 2 grossen Koffern und 2 Handgepäckstücken Zug fahren mit Umsteigen ist auch nicht gerade lustig. Nach der Kofferschlepperei machte ich noch Witze und sagte, ich möchte mal so reich sein, dass ich nur noch die Kreditkarte dabei haben muss. Da ahnte ich noch nicht, wie sehr mich der Anblick von 2 grossen Koffern beglücken würde.

Aber der Reihe nach. In Zürich speditiv eingecheckt. Es reicht sogar noch für einen Kaffee. Dann ab zum Gate. Da stand dann schön rot geschrieben: Weitere Informationen zum Flug nach Paris in einer halben Stunde. Murphys Gesetz kam langsam in die Gänge.

Air France tröstet uns sehr und meint, der Flieger aus Paris kommt. Dass er wegen technischer Probleme mitten im Flug wieder heim nach Paris wollte, sagt uns keiner. Sonst hätte es wahrscheinlich sicher noch einen Flug nach Paris gegeben. So warten wir gottergeben und fangen an zu rechnen. Aber alle, auch noch so gewagten Rechenkünste sagen uns, das reicht nie für den Weiterflug nach Los Angeles. So ist es dann. Nach ca. 4 Stunden warten und umbuchen, Gepäck wieder holen und bei Lufthansa abgeben ( Air France fliegt nur alle 2 Tage nach Papeete), Hotelvoucher fassen inklusive Abendessen für 35 Franken pro Person landen wir im Airporthotel Mövenpick und begiessen diesen doch sehr erfolgreichen Tag für mehr als 35 Franken pro Person. Schliesslich haben wir es von 09.15 Uhr bis 20.00 Uhr geschafft, von Lugano nach Zürich zu kommen. Reife Leistung.

Nächster Morgen. Früh aufstehen und da stehen wir pünktlich am Gate für den Flug nach Frankfurt. Denn der Plan sieht nun vor: Zürich-Frankfurt, Frankfurt-Los Angeles mit Lufthansa. Dann Los Angeles-Papeete mit Air Tahiti Nui. Wir stehen aber immer noch am Gate für Frankfurt. Und der Flieger kommt nicht und kommt nicht. Schlechte Wetterverhältnisse. Wir rechnen wieder und wollen das Endergebnis gar nicht mehr wissen. Aber siehe da, mit einer Stunde Verspätung heben wir ab. Die Pilotin ist sehr kooperativ und gibt während des Fluges mehrmals durch, dass Frankfurt am arbeiten ist und bisher keine Anschlussflüge umgebucht wurden. Schliesslich sind wir ja nicht die Einzigen die weiterwollen. Aber dass die Passagiere sich in Frankfurt dann schon sehr beeilen müssen.

Landung Frankfurt. Da lege ich dann den Spurt meines Lebens hin. Rémy voraus wie Usuain Bolt, ich in seinem Kielwasser hinterher. Nur, dass die Laufstrecke durch den gesamten Flugplatz vorgesehen ist, wusste ich nicht. Und Frankfurt ist wirklich enorm gross. Ben Johnson in seinen besten Dopingzeiten hätte das nie geschafft. Ausgepowert stehe ich dann am Gate, der Flug ist längst geschlossen. Aber da steht ein unglaublich netter Mann und sagt, wir haben auf euch gewartet und jetzt erst mal die Herzfrequenz senken. Und tatsächlich, da steht eine vollbeladene A-380 und wartet geduldig bis auch wir kommen. Klar haben uns die Mitpassagiere etwas sehr missgestimmt angeschaut. Mache ich auch immer so, wenn Passagiere sich doch noch entschliessen, mitzukommen. Der Slot war natürlich vorbei, aber irgendwann waren wir über den Wolken. Da wo die Freiheit grenzenlos ist.

Nach der ersten Euphorie sage ich zu Rémy: Das haben wir mit gütiger Mithilfe super hingekriegt, aber ich glaube nicht, dass unser Gepäck das auch geschafft hat.

Ankunft Los Angeles. Amerikaner sind noch nicht ganz auf dem neuesten Stand. Transitpassagiere kennen die nicht. Das heisst, du machst die ganze Immigration. Und seit neuestem zweimal. Zuerst an einem Automaten. Fingerabdrücke, Daumen separat, Foto. Die üblichen 10 Fragen usw. Das funktioniert sehr speditiv. Nur, dass man denselben Scheiss nochmals vor einem Einwanderungsbeamten macht, ist mir ein völliges Rätsel. Ich will nicht nach Amerika einwandern. Schon gar nicht zwei Mal. Wir wollen nur weiterfliegen. Auch das Gepäck musst du rausnehmen, alles, und es sofort nach der Einwanderung auf ein Band schmeissen. Damit es zu den entsprechenden Flügen weitergeleitet wird. Nur war da wie befürchtet kein Gepäck, das wir irgendwohin hätten schmeissen können. Also ab zum Schalter von Air Tahiti Nui. Zeit haben wir nicht mehr viel. So Ein- und sofort wieder Auswandern ist sehr zeitintensiv. Air Tahiti beruhigt uns. Wir stehen nicht auf irgendeiner Liste von verschollenem Gepäck. Wahrscheinlich wurde es direkt auf Tahiti Nui umgeladen. Hätte ich noch irgendeine Regung von mir geben können, hätte ich dem netten jungen Mann gesagt, dass Amerika zwar daran arbeitet Great Again zu sein, aber sicher keinen Koffer anfasst, den der Besitzer nicht höchstpersönlich auf irgendwas geschmissen hat. Rémy ist immer noch voller Hoffnung, dass in Papeete alles wieder zusammenpasst.

Dem ist dann nicht so. Lost and Found aufgesucht. Und die Dame sucht und sucht und teilt uns dann sehr einfühlsam mit, dass das Gepäck noch in Frankfurt ist. Aha. Und wann können wir eventuell damit rechnen?

Wir bekommen ein Notfallset und den Trost, dass das Gepäck nach Raiatea geflogen wird. Unser heutiger Anlaufort. Denn seit gestern sind wir ja schon auf dem Schiff. Mit je einem Paar Bluejeans, je einem Paar kurzen Hosen und 2 Polo Shirts plus Badehose. Und natürlich einem Winterpullover.

Und vor 2 Stunden war ich dann wirklich von den Socken. Mein Koffer wurde tatsächlich gebracht. Ich war sowas von hin und weg. Nur, als ich fragte, wo denn der Koffer meines Mannes ist, waren wieder alle ratlos. Ich auch….. The never ending Story geht also weiter.

Murphy, Du kannst mich mal….

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